G20-Demo in Hamburg eskaliert: Über 100 Polizisten bei Auseinandersetzungen verletzt

Nach der heftigen Krawallnacht rund um den G20-Gipfel haben in Hamburg die Aufräumarbeiten begonnen. Es blieb bis zum Schluss weitgehend friedlich.

Das Festschreiben unterschiedlicher Haltungen ist beispiellos in der Geschichte der G20-Treffen.

Regierungssprecher Steffen Seibert twitterte am späten Abend ein Zitat von Kanzlerin Angela Merkel aus einem in der "Zeit" veröffentlichten Interview und kritisierte damit die gewalttätigen Demonstrationen. Die Polizei habe zwar "ihre Prügeltour" gestartet. An den Landungsbrücken, direkt an der Elbe, haben die Wasserwerfer einen Geruch von Sommerregen auf heißem Asphalt hinterlassen, dann mischt sich der beißende Gestank von Pyrotechnik in die Luft. Nach aktuellen Erkenntnissen der Polizei wurden 213 Beamte verletzt, darunter auch drei österreichische Polizisten, es gab außerdem mehr als 160 Fest- und Ingewahrsamnahmen. Mehrere Bundesländer sagten zusätzliche Kräfte zu. Die vermummten Teilnehmer des Aufzuges seien später unerkannt entkommen.

In dieser Nacht vor dem offiziellen Beginn des G-20-Gipfels zeigt sich, wie wenig Sympathien die Polizei bei den Anwohnern in St. Am Freitag sei es der Polizei nur mit großer Kraftanstrengung gelungen, die Proteste aus der Sicherheitszone rund um das Gipfelgelände fern zu halten, erklärte sie.

Vor allem gegen ihn richtet sich der Zorn vieler Demonstranten.

Frieden und Gerechtigkeit seien in den Grundtexten aller Religionen ein zentrales Thema, betonte Wolfram Weiße, von der Akademie der Weltreligionen. Die Polizei meldete mehrere Festnahmen. Bei den Krawallen seien Scheiben eines Supermarkts, einer Drogerie, einer Bank, einer Bäckerei sowie diverser Bekleidungsgeschäfte eingeschlagen worden. Er sei zuvor von Gewalttätern massiv angegriffen worden, hieß es vonseiten der Polizei. In einigen Straßen brannten Barrikaden. "Die Polizei setzte Wasserwerfer und Pfefferspray ein". Zum Morgen beruhigte sich die Lage deutlich. Der CDU-Innenpolitiker Wolfgang Bosbach sprach von "bürgerkriegsähnlichen Zuständen".

G20-Demo in Hamburg eskaliert: Über 100 Polizisten bei Auseinandersetzungen verletzt
G20-Demo in Hamburg eskaliert: Über 100 Polizisten bei Auseinandersetzungen verletzt

Der Bundesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), Ernst Walter, forderte, angesichts der Krawalle müsse über die Ausrüstung der Polizei mit "alternativen Distanzwaffen" etwa mit Gummigeschossen nachgedacht werden. Pauli Hafenstraße kam es zu einer Panik unter Demonstranten und Zuschauern.

Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) verteidigte unterdessen das Vorgehen der Polizei gegen Kritik.

Die Strafverfolgungsbehörden und das Militär hätten in Hamburg hervorragende Arbeit geleistet, erklärte er. Sie wollen die Anfahrtsrouten lahmlegen und planen auch Aktionen im Hafen. Die Gewalt habe sich in zurückliegenden Jahren etablieren können.

Nach der verheerenden Freitagnacht im Hamburger Schanzenviertel ist die Lage auch am Samstagabend wieder eskaliert. Die Geschäftsleuten hätten dies mit dem Schutz der Mitarbeiter angesichts der Bilder aus der Krawallnacht begründet. "Keinen einzigen habe ich in der Nacht in unserer Straße gesehen", berichtet Carmen Meins, die seit 52 Jahren im Schanzenviertel lebt und in einer Nebenstraße wohnt. Proteste mit Angriffen auf Polizisten und Brandstiftungen seien "nicht zu akzeptieren".

Im Video: G20-Polizist flüchtet sich in Krankenwagen: "Hätte sonst womöglich nicht überlebt " Im Video: Vermummte gegen Polizisten! Dieser Vorwurf wird von Anwohnern im Schanzenviertel und von Medien erhoben. Verkohlte, teils noch rauchende Trümmer ließen viele Straßen wie ein Schlachtfeld wirken. Auf dem Rolladen eines Geschäfts steht "Chaostage Hamburg".

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