Gerhard Schröder wird Vorsitzender des Rosneft-Aufsichtsrates

Doch nicht nur aus politischen Gründen wird Schröders Aktivität als Aufsichtsratschef von Rosneft kritisiert: Der frühere SPD-Politiker soll allein für diesen Posten ein sechsstelliges Gehalt beziehen, dazu erhält Schröder noch ein Ruhegehalt für seine Zeit als Kanzler und Bezüge für seine Zeit in der niedersächsischen Landesregierung und als Bundestagsabgeordneter. Seine Aufgabe ist mindestens heikel.

Die Personalie hatte Schröder wie auch der SPD im Bundestagswahlkampf heftige Kritik eingetragen.

Schröders Neigung zu Russland reicht übrigens bis tief in sein Privatleben.

Alt-Bundeskanzler Schröder ist in den Aufsichtsrat des russischen Ölkonzerns Rosneft gewählt worden und übernimmt dort den Vorsitz.

Das Gesamtheit der Rosneft-Aktionäre ist für russische Verhältnisse sehr international aufgestellt. Rosneft ist selbst von den Strafen der EU betroffen, verhängt im Herbst 2014 wegen des verdeckten russischen Militäreinsatzes in der Ostukraine.

Schon als deutscher Bundeskanzler war Schröder mit Putin befreundet.

Protest gegen Schröder
Gerhard Schröder wird Vorsitzender des Rosneft-Aufsichtsrates

Zumindest die deutschen Unternehmer in Russland sehen das Schröder-Engagement bei Rosneft deutlich unkritischer als die deutschen Medien. "Die Zeiten solchen Stils sind vorbei", sagte er und erinnerte an Schröders Kritik an der Wahlkampfführung der Genossen. Unvergessen ist seine Einstufung Putins als "lupenreinen Demokraten", die er noch als Kanzler vornahm. Um sein Leib und Leben zu schützen, hat Schröder nun Anspruch auf Personenschutz durch den russischen Inlandsgeheimdienst "FSB".

Schröder ist am heutigen Freitag zum Aufseher des russischen Energieriesen Rosneft ernannt worden. Setschin betonte zugleich, Schröders Engagement für Rosneft werde die Beziehung zwischen Russland und Deutschland beleben. Es sei ein schlechter Witz, wenn Schröder behaupte, er wolle für Deutschlands Energiesicherheit arbeiten.

"Völlig deppert der Kerl", kommentierte der SPD-Vorsitzende Martin Schulz die Handlung Schröders im Spiegel. Doch der 73-Jährige ist kein fideler Ruheständler, dem vom größten Ölförderer der Welt ein Zubrot angeboten wurde.

Vor der Abstimmung hatte Konzernchef Igor Setschin auf der Versammlung für die Berufung des Altkanzlers geworben. Im Auftrag des Geheimdienstes FSB lockte er den Minister in sein Büro, übergab ihm einen Korb mit Wurst und zwei Millionen US-Dollar, das angebliche Schmiergeld. Dieser soll für Rosneft ganz andere Dienste leisten.

Kritiker bescheinigen dem Rosneft-Chef "sowjetmafiöse Managermentalitäten". Schröder ist auch nach wie vor ein wichtiger Mann in der SPD. Den Altkanzler lassen wir mal weg. Der frühere Portugiesisch-Übersetzer beim Militär kennt Putin schon seit der gemeinsamen Zeit in der Stadtverwaltung von St. Putin wurde Präsident, Setschin stellvertretender Leiter der Kremlverwaltung.

Rosneft hat seinen Sitz in Moskau und ist an den Börsen in Moskau und London notiert. Zahlreiche weitere Skandale und Affären, unter anderem aktuell ein dubioser Rechtsstreit mit der Investmentgesellschaft Afk Sistema und der intransparente Verkauf von 19,5 Prozent der Rosneft-Aktien im Vorjahr haben den Ruf nicht verbessert.

Ausgabe: