EU will Streit um Katalonien-Votum weiterhin nicht kommentieren

Die spanische Zentralregierung versucht weiter mit allen Mitteln, das geplante Unabhängigkeitsreferendum in Katalonien zu verhindern. Bei den Polizeieinsätzen wurden mindestens 337 Menschen verletzt, darunter auch mehrere Polizisten, berichtet die Nachrichtenagentur Afp. In einer Anweisung an die Polizei teilte die die Staatsanwaltschaft Anfang der Woche mit, sie werde die Namen aller an der Abstimmung Beteiligten aufnehmen und entsprechende Dokumente beschlagnahmen. Die Einsatzkräfte wurden demnach mit Steinen beworfen. Deswegen hat das Verfassungsgericht, auf Antrag der spanischen Regierung, das vom katalanischen Regionalparlament eigenmächtig beschlossene Plebiszit suspendiert. "Gewalt, Schlagstöcke, Gummikugeln, unwillkürliche Aggressionen", sagte er vor Journalisten in Barcelona. Die katalanische Regierung, die das Referendum allen Widerständen aus Madrid zum Trotz durchführen will, hat darauf angekündigt, schwarz-weisse Plastikbehälter zu verwenden.

Die Befürworter des Referendums setzten sich damit über Gerichtsurteile hinweg, wonach die Abstimmung illegal ist und die Wahllokale geschlossen bleiben müssen.

Die Sicherheitskräfte verschafften sich gewaltsam Zugang zu dem Wahllokal, in den der Chef der Regionalregierung, Carles Puigdemont, eigentlich seine Stimme abgeben wollte. Die Polizeikräfte sind zudem angehalten dafür zu sorgen, dass die Wahllokale erst gar nicht öffnen können. Auch die Blockierung des Stimmenauszählungssystems werde die Abhaltung der Volksbefragung nicht verhindern, sagte der Sprecher der Regionalregierung. Damals kippte das spanische Verfassungsgericht ein weitgehendes Autonomiestatut, das zuvor per Referendum in Katalonien und selbst von der großen Mehrheit im nationalen Parlament in Madrid gebilligt worden war. Das genaue Ausmaß ließ sich zunächst nicht abschätzen. Schon davor ist das Eskalationspotential groß, da die Polizei den Wahlgang am Sonntag verhindern soll, indem sie auch die Wahllokale besetzt. Auch hätten sie bereits seit Freitag von Wählern besetzte Lokale zwar besucht, aber nicht geräumt, hieß es. Die standen dennoch zu Tausenden vor den Wahllokalen Schlange. Lehrer und Direktoren organisieren über das Wochenende Aktivitäten, um die Zentren offen zu halten, die als Wahllokale dienen sollen.

In den frühen Morgenstunden versammeln sich Menschen in Barcelona vor einer Schule, die zum Abstimmungslokal umfunktioniert wurde.

Unabhängigkeitsreferendum in Katalonien: Was passiert nach dem 1. Oktober?

Sie veranstalteten unter anderem Filmvorführungen (etwa einen "Harry-Potter-Marathon"), Paella-Essen und Pyjama-Partys. Eine Frau in einer Schule im Zentrum von Barcelona sagte, die Eltern und Kinder hätten die Nacht in Schlafsäcken auf Gymnastikmatten verbracht. Die spanische Polizei suchte unterdessen immer noch nach den Orten, an denen die Wahlurnen versteckt gehalten wurden. Reicher sind nur noch die Region Madrid - Spitzenreiter mit 32 723 Euro -, das Baskenland und Navarra.

Bei Dutzenden von Razzien wurden Millionen Wahlzettel und Wahlplakate beschlagnahmt. Viele Webseiten wurden gesperrt.

Was Katalonien stark macht, ist seine Industrie - vom Autobauer Seat über den Blutderivatehersteller Grifols bis zur Sektkellerei Freixenet. Die Frage auf den Stimmzetteln lautete: "Wollen Sie, dass Katalonien zu einem unabhängigen Staat in Form einer Republik wird?".

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