Trittin bezweifelt Bereitschaft der Union zu Jamaika-Bündnis

Über den Koalitionsvertrag stimmt am Ende die Parteibasis ab. Ob die Grünen zu Koalitionsverhandlungen bereit sind, soll nach Ende der Sondierung ein Bundesparteitag entscheiden. Ohne die Obergrenze sei eine Koalition nicht vorstellbar, sagte zuletzt CSU-Mann Markus Söder in der ARD. Vor allem in der CSU brodelt es, was auch Seehofer persönlich gilt. Das klingt wesentlich vernünftiger als Seehofers Fehleranalyse, die sich letztlich nur darauf beschränkt, rhetorisch aufzurüsten, und zwar ohne Aussicht auf Erfolg. Das blinde Vertrauen ist dahin. "Aber erstmal ist CDU und CSU dran". Kurzfristig mögen Angela Merkel aus der Schusslinie und die eigenen Wahlverluste in den Hintergrund gerückt sein.

Elisabeth Koch etwa, die in Garmisch-Partenkirchen die CSU-Ratsfraktion führt, zeigte sich wenig überrascht vom Erfolg der AfD auf Kosten ihrer Partei. Erst einmal müsse die Union ihre Position finden, sagte Trittin, der zum linken Flügel der Grünen zählt und im Sondierungsteam der Partei ist.

Wer regiert Deutschland? "Fluch der Karibik" titelt die "Zeit" über eine mögliche "Jamaika"-Koalition".

Erheblichen Vorbehalten zum Trotz wollen die Grünen Gespräche über eine Jamaika-Koalition aufnehmen. Ein Bündnis aus Union, FDP und Grünen könne es nur bei einer konsequenteren Abschiebepolitik geben. Spitzenvertreter der Union wollen übernächsten Sonntag (8. Oktober) über.

Jamaika in Berlin FDP und Grüne warten auf die Union
Trittin bezweifelt Bereitschaft der Union zu Jamaika-Bündnis

Gerade weil es mit den links orientierten Grünen so schwierig werden könnte, will die Parteispitze einen geordneten Eindruck machen.

Bis Mitte Oktober wollen die Unions-Granden ihren Kurs endgültig abgesteckt haben. "Dann muss die CDU ökologischer werden, dann muss die CSU liberaler und die FDP sozialer werden". Es gebe aber keinen Automatismus für eine Regierungsbeteiligung. Hier müssen sie aufeinander zugehen, laufen damit aber gleichzeitig Gefahr, dass ihnen die jeweilige Basis die Unterstützung für Jamaika entzieht - und dann ist das Projekt tot, bevor es begonnen hat. Die lauten Parolen im Streit über die Flüchtlingspolitik sind noch immer im Gedächtnis, damit dürfte die CSU wohl nahtlos weitermachen.

FÜR SEINE KRITIKER wird der Umgang mit einem angeschlagenen Seehofer sicher nicht einfacher. Durch die Umlage, die Betreibern von Solar- und Windkraftanlagen festgelegte Stromvergütungen garantiert, "wird jeder mit über 300 Euro jährlich belastet", sagte Solms zu "Tagesspiegel Background Energie & Klima". Ein Machtverlust in Hannover würde auch dem Bundesvorsitzenden Martin Schulz angelastet, der am Montag seinen Anspruch auf einen Verbleib im Amt mit der Erwartung begründete, dass die SPD in vier Jahren ihr Ergebnis verdoppeln könne. Dem einstigen CSU-Sonnenkönig, der die Partei 2013 wieder zur absoluten Mehrheit in Bayern geführt hat, droht in München ein stundenlanges Scherbengericht.

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