Dieselskandal: US-Justiz klagt den früheren VW-Chef Winterkorn an

Dass Ex-VW-Chef Martin Winterkorn nun in den USA wegen Betrugsverdachts angeklagt wird, ist eine bittere Niederlage für die deutsche Justiz.

Ein anderer Volkswagen-Angeklagter in den USA, Oliver Schmidt, ist dort bereits zu einer langen Gefängnisstrafe verurteilt worden. Denn die Staatsanwaltschaft in Braunschweig ermittelt ebenfalls gegen ihn.

In der Affäre um manipulierte Abgaswerte prüft der Volkswagenkonzern Schadensersatzansprüche gegen Ex-VW-Chef Martin Winterkorn.

Winterkorn könnten im Extremfall 25 Jahre Gefängnis und eine Geldstrafe von bis zu 275.000 Dollar (rund 230.000 Euro) drohen.

Doch am Freitag berichteten "Süddeutsche Zeitung", NDR und WDR, dass ein VW-Manager Winterkorn bereits im Juli 2015 über die Software informiert habe.

Nach Einschätzung der Ermittler muss Winterkorn deutlich mehr von den systematischen Manipulationen an Diesel-Motoren in den Vereinigten Staaten gewusst oder zumindest billigend in Kauf genommen haben, denn: Der Vorwurf der Mittäterschaft wiegt deutlich schwerer als der Beitrag einer Person, die lediglich die Tat eines Anderen unterstützen wollte. Den Recherchen zufolge soll sich Winterkorn an dem fraglichen Tag außerdem mit einem VW-Juristen beraten haben.

Neben Winterkorn sind noch vier weitere VW-Manager angeklagt. Ende Mai 2014 seien die Manipulationen zudem Thema eines Treffens zwischen VW und Bosch, die die Software programmiert hatten, gewesen sein. Hier finden Sie den Link zu tagesschau.de. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm Verschwörung zur Täuschung der Behörden bei den Abgasmanipulationen vor, wie aus der am Donnerstag veröffentlichten Anklageschrift hervorgeht. Jeff Sessions lässt sich in der Mitteilung seines Ministeriums mit den folgenden Worten zitieren: "Wer versucht, die Vereinigten Staaten zu betrügen, wird einen hohen hohen Preis bezahlen". Der VW-Chef sprach sich damals von jeglichem Fehlverhalten frei. Dabei handele es sich jedoch um das Maximum laut Strafgesetzbuch. Weltweit sind es rund 11 Millionen, in den USA - wo der Skandal im September 2015 aufgeflogen war - fast 600 000. Selbst wenn Winterkorn nicht einmal eine Mitwisserschaft am Betrug nachgewiesen werde, müsse er um sein Vermögen fürchten. Dazu kommt bei Winterkorn ein Verfahren wegen des Schadstoffausstoßes.

Demnach prüft der Konzern, Winterkorn für den im Diesel-Skandal entstandenen Milliarden-Schaden haftbar zu machen.

Damit holt die Vergangenheit den inzwischen 70-Jährigen, der den VW-Konzern von Anfang 2007 bis September 2015 führte, schlagartig ein. Die Behörde ermittelt seit Monaten wegen Anfangsverdachts des Betruges. Er sei derzeit aber nicht inhaftiert, so die Staatsanwaltschaft.

Der deutsche Autoexperte, Ferdinand Dudenhöffer, spielte in einem "Presse"-Gespräch einmal folgendes Szenario durch: "Wie läuft denn so eine Sitzung ab?" Eine Sprecherin bekräftigte lediglich, dass der Konzern mit den Behörden kooperiere. Pruitt hatte sich bisher vor allem dadurch einen Namen gemacht, dass er als neuer Chef der Umweltbehörde die strengen amerikanischen Abgasstandards aufweichte. So dürfte neues Material für Anleger-Anwälte anfallen, die von VW Schadenersatz verlangen. Grundlage des letzten Vorwurfs ist der Verdacht, dass Volkswagen seine Aktionäre zu spät über den Dieselskandal informiert hat.

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