Erdogan-Affäre: Claudia Roth stellt sich auf die Seite Özils und Gündogans

Özil überreichte Erdogan ein Trikot seines Vereins Arsenal. Der Zeitpunkt dieser Fotos so kurz vor der Kaderverkündung war sicher unglücklich. Gündogan hatte sein Trikot mit der Widmung versehen: "Mit großem Respekt für meinen Präsidenten".

Der deutsche Fußball, sofern er in der Form als Nationalmannschaft in Erscheinung tritt, ist immer zweierlei: Projektionsfläche für die Sehnsucht eines Landes, das gerne so wäre, wie die Mannschaft spielt. In der Folge schlug den beiden Gelsenkirchener Fußballern mit türkischen Wurzeln heftige Kritik entgegen.

Der DFB-Präsident machte jedoch auch deutlich, dass sich der Verband nicht nicht weiter mit diesem "Fehler" aufhalten will. Was sein Trainer Löw danach noch etwas genauer erklärte: "Wir haben den Spieler zu verstehen gegeben, dass es keine glückliche Aktion war".

Löw sagte zugleich mit Blick auf den türkischen Hintergrund der Spieler: "Ein bisschen Verständnis zeige ich".

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Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich kritisch zu dem Treffen der beiden Fußball-Nationalspieler Mesut Özil und Ilkay Gündogan mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan geäußert.

"Menschen können Fehler machen und wir müssen das Maß wahren", sagte DFB-Präsident Reinhard Grindel in der Pressekonferenz zur Vorstellung des deutschen WM-Kaders am Dienstag.

Obwohl Emre Can ebenfalls zum Treffen mit Erdogan eingeladen worden war, blieb der Liverpool-Mittelfeldspieler gemäss Informationen der "Welt" dem Anlass fern. "Anstatt Erdogan diese geschmacklose Wahlkampfhilfe zu leisten, wünsche ich mir von den Spielern, dass sie sich aufs Fußballspielen konzentrieren". Somit ist Erdogan tatsächlich Gündogans Präsident - wie auch Steinmeier, der freilich auf derart hochachtungsvolle Unterstützung im Wahlkampf verzichten musste.

Özil und Gündogan gehören zu der Fußballer-Generation, die den kulturellen Wandel im DFB gefördert und genutzt haben.

Für Bernhard Zimmerhofer und Tobias Innerhofer von der Jungen Süd-Tiroler Freiheit ist dies ein klares Zeichen von gescheiterter Integration, zumal beide Spieler in Deutschland geboren sind und die deutsche Staatsbürgerschaft besitzen. Allerdings dürfen die Spieler der deutschen Nationalmannschaft gar nicht mehr für die Türkei spielen - das würde gegen die Regeln der FIFA verstossen. Der als Erdogans Gefolgsmann geltende TFF-Vorsitzende Yildirim Demirören wertete Grindels Aussagen als "diffamierend" und warf dem Kollegen vor, "den Fußball in die Politik hineinzuziehen".

Auf Gündogan ist man beim DFB doppelt sauer, weil er sich auch sträubt, wie die anderen Nationalspieler in sozialen Netzwerken bei einem Aufsager zur deutschen EM-Bewerbung 2024 (Konkurrent Türkei) mitzumachen.

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