Gesellschaft für bedrohte Völker protestiert gegen Marx-Statue

"Karl Marx hat einen hochaktuellen Freiheitsbegriff". 1989 kommt er zum Studieren nach Westberlin und erlebt, wie im Osten der herrschende Marxismus zusammenbricht wie ein Kartenhaus - während er im Westen bei einer Reihe von Professoren lernt, Marx neu zu lesen. Unsere Welt ist eine kapitalistische Welt. Natürlich nur, weil es posthum seinem schärfsten Kritiker Karl Marx beweisen will, dass er noch immer Unrecht hat. Heute wird nicht über Verelendung arbeitsloser Massen geklagt, sondern über Fachkräftemangel. Das ist der eine Punkt. "Der war das, was heute als ‚Womanizer' genannt wird". An dieser Frage arbeiteten sich Generationen von Denkern ab. Etwa in Wuppertal-Barmen, dem Geburtsort von Marx' lebenslangem Kompagnon Friedrich Engels. Er erscheint als verzagter, politisch isolierter Greis, der sich mit Selbstvorwürfen und Zweifeln quält. Diese ist notwendig und bisher - so mein Eindruck - etwas zu kurz gekommen. "Ich habe dazu eine sehr kritische Haltung", sagt der Rüsselsheimer CDU-Vorsitzende.

"Ein bisschen Marx steht jedem", sagt Karin Kaltenkirchen und hält sich einen aus Karton gefertigten Rauschebart vors Gesicht.

Hat er sein Modell aus persönlicher Betroffenheit entwickelt? Für Marx und viele seiner Kompagnons steht am Beginn Hegel. Dort wird auch das "Kommunistische Manifest" immer noch ernst genommen und seine "Bedeutung für die heutige Zeit" studiert. Er hatte sich ja auf eine akademische Karriere vorbereitet, die ihm aber aus politischen Gründen verwehrt wurde. Sie betonte, sie sehe auch die Menschen, die Marx dafür verantwortlich machten, "was in seinem Namen" geschehen sei.

Die Verschwörung "mächtiger Kapitalisten mit der Politik" gibt es nur in Hollywood. Das eine ist eine Werthaltung, wonach es nur auf Geld und Konsum ankommt und geistige, kulturelle Werte eigentlich unbedeutend sind. "Der Einfluss von Marx auf die chinesische Gesellschaft ist immens", sagt Wu dieser Zeitung.

Caren Lay (Linke/Hoyerswerda): Marx formuliert den Anspruch, "alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist". Marx würde seine Ideen in der modernen Praxis des Landes vermutlich nicht wiedererkennen. Angesagt haben sich auch etliche Marx-Nachfahren, verrät Museumsleiterin Elisabeth Neu. Da war er einer der Hellsichtigsten überhaupt. Umso eindrücklicher wird die Epoche des Umbruchs vor Augen geführt, seine Epoche, die industrielle Revolution.

Was Mao als junger Kommunist in den Schriften des deutschen Philosophen fand, passte nicht zur Lage im China der dreißiger Jahre - deshalb machte er es kurzerhand passend. Lieber verlegen sie sich auf den sporadischen Nachweis, wie aktuell Marx' Konzepte angesichts eines eskalierenden Raubtierkapitalismus und einer zunehmenden Aufspaltung der Weltbevölkerung in "sehr reich" und "sehr arm" seien.

Schließlich können Besucher Marx noch begreifen: Mit einer raumhohen Installation - der Marx-Maschine - wo das für viele unverständliche "Kapital" anhand von Fließbändern und Bildern übersetzt wird.

Wo lag er noch falsch? Auch war ihm schon klar: "Die Bourgeoisie hat durch die Ausbeutung des Weltmarkts die Produktion und Konsumption aller Länder kosmopolitisch gestaltet". Rössel räumte ein, der Kirche sei durchaus bewusst, dass im alten Konflikt zwischen Arbeit und Kapital der Mensch heute keinen Platz mehr habe. Unterschrieben hat sie der damalige Vize-Bürgermeister von Trier, Emmerich Grach, ein Vorfahr von Jauch. Nachdem Lasalle ihn 1862 in London besucht hatte, beschimpft Marx ihn als "jüdischen Nigger Lasalle" und schreibt: "Es ist mir jetzt völlig klar, dass er, wie auch seiner Kopfbildung und sein Haarwuchs beweist, von Negern abstammt, die sich dem Zug des Moses aus Ägypten anschlossen". Das Experiment in Russland war eher die Fortsetzung der zaristischen Diktatur als ein Neubeginn im Sinne von Marx. Tatsächlich ist der mehr als doppelt mannshohe Marx ein Geschenk der. Gezielt verheimlichen sie, dass es die marxistischen Ideale der 1920er-Jahre waren, die Deutschland auf die linken Floskeln Hitlers hereinfallen ließen (auf Reichsmark-Münzen prangte "Gemeinwohl statt Eigenwohl" und ein Drittel des 25-Punkte-NSDAP-Parteiprogramms beinhaltete marxistische Forderungen). Dann bekommen wir eine Ahnung davon, in welchen Zeiträumen wir denken müssen. Der Stil ist klassisch, die Motive sind revolutionär: Straßenkinder, Inhaftierte, ein Wanderschauspieler mit verhungertem Äffchen, das erste europäische Arbeiterporträt von Adolph von Menzel, Genreszenen von Leihhäusern, Auspfändungen und Passstellen für Auswanderer, dazu bukolische Landschaften mit rauchenden Schloten. Doch gleichzeitig konnten Güter nun um 90 Prozent billiger befördert werden. Er hat große Ziele: Er will die Welt verändern. Im Interview spricht Gietinger über das Buch und die widersprüchliche Persönlichkeit Marx. 1847 setzte Marx die Umbenennung zum Bund der Kommunisten durch.

Das Gespräch führte Monika Nellessen.

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