Vodafone will Teile der Unitymedia-Mutter Liberty Global übernehmen

Um dieses Ziel zu erreichen, will Vodafone in den nächsten vier Jahren insgesamt rund 12 Milliarden Euro in Deutschland investieren. Neben dem Deutschlandgeschäft wandern auch die Liberty-Geschäfte in Rumänien, Tschechien und Ungarn an das Unternehmen.

Ob das stimmt und sich nicht einfach ein Duopol zwischen Telekom und Vodafone bildet, wie in den 1990er Jahren zwischen D1 und D2, bleibt abzuwarten. Dem Deal müssen aber noch die Kartellbehörden zustimmen.

Die Konkurrenz äusserte scharfe Kritik. Telekom-Chef Timotheus Höttges kündigte am Mittwoch bereits an, er werde dagegen ins Feld ziehen. Der Vereinbarung gingen monatelange Verhandlungen voraus.

Die Nummer 3 auf dem Kabelnetzmarkt ist Pyur (unter anderem mit dem ehemaligen Tele Columbia) mit Netzen in verschiedenen Bundesländern, vor allem in Berlin, Brandenburg und Sachsen-Anhalt. Der Konzern würde mit der Übernahme von Unitymedia auch das verbliebene Kabelfernsehnetz in Deutschland kontrollieren. Dazu gehört auch UnityMedia mit seinen Kabelnetzen in Baden-Württemberg, Hessen und Nordrhein-Westfalen.

Um neue Kunden zu gewinnen, könnten zunächst die Preise sogar sinken, denn Vodafone hat angekündigt, in Deutschland aktiver zu werden und bis 2022 etwa 25 Millionen Haushalte mit Gigabit-Anschlüssen versorgen zu wollen. "Verbraucher wie Unternehmen werden von dem daraus entstehenden zunehmenden Wettbewerb profitieren", sagte Ametsreiter weiter.

Demmel führt in seinem Pressestatement weiter aus: "Dazu kommt, dass auch in den neuen Märkten, also bei der OTT- und Mobile-Verbreitung aufkeimender Wettbewerb, auch außerhalb der Kabelgebiete schwieriger werden würde". Für die Telekom ging es dagegen deutlich nach unten, mit einem Minus von zwei Prozent waren die Aktien größter Verlierer im Dax. Die Kabelübernahme durch Vodafone erhöhe die Risiken für die Telekom, schrieb Barclays-Analyst Maurice Patrick. Damit würde Vodafone künftig in allen Bundesländern Kabelnetze aus eigener Infrastruktur anbieten können. Sein Angebot reicht von Fernsehen, über Internet bis hin zu Festnetzverbindungen.

Die Gerüchteküche brodelte mehrere Male bereits stark beim Thema Vodafone und Unitymedia. Neben der Telekom brachten sich auch lokale Glasfasernetz-Anbieter gegen die Fusion in Stellung.

Mit der Übernahme kommt auch die Liberty Global-Tochter Unitymedia zu Vodafone.

Im Februar hatte der weltweit zweitgrößte Mobilfunker bekanntgegeben, Gespräche mit Liberty über einen Kauf von Kabelbeteiligungen in den Ländern zu führen, wo beide Firmen tätig sind. "Gemeinsam können wir einen bundesweit aufgestellten konvergenten Anbieter von leistungsstarken Telekommunikationsprodukten und innovativen Unterhaltungsangeboten schaffen", kommentiert Lutz Schüler, CEO von Unitymedia. Die Telekom musste sich vom Fernsehkabel um die Jahrtausendwende herum trennen, weil die EU eine zu große Marktmacht befürchtete. Im ersten Quartal legte der Umsatz von Unitymedia, die hierzulande rund 2500 Mitarbeiter beschäftigen, um neun Prozent auf mehr als 636 Millionen Euro zu.

Ausgabe: