Zahl erfasster Straftaten auf niedrigstem Stand seit Jahrzehnten

"Gleichwohl gibt es zur Entwarnung keinen Anlass", sagte Seehofer.

Bundesminister für Inneres, Heimat und Bau, Horst Seehofer und der Vorsitzende der Innenminister-Konferenz, Sachsen-Anhalts Innenminister Holger Stahlknecht (CDU, l), präsentieren die Polizeiliche Kriminalstatistik 2017 in der Bundespressekonferenz. Die Behörden erfassten im vergangenen Jahr 5,76 Millionen Straftaten - so wenige wie seit 25 Jahren nicht mehr. Allerdings stiegen - wenn auch auf niedrigem Niveau - auch die antisemitischen Straftaten von Ausländern oder aus religiösen Gründen wieder an. Nach Angaben der IWF zeigen 35 Prozent der Websites Vergewaltigungen oder sexualisierte Folter von Kindern, 55 Prozent der abgebildeten Kinder sind unter zehn Jahre alt und zwei Prozent sogar jünger als zwei. Noch immer gebe es rechtsfreie Räume in Deutschland, in denen nicht das Notwendige und Mögliche für die Sicherheit getan werde, bemängelte er.

Seehofers Bilanz zur Polizeilichen Kriminalstatistik: "Deutschland ist sicherer geworden".

Außerdem, sei die Kriminalstatistik lediglich "ein Arbeitsnachweis der staatlichen Strafverfolgungsorgane", wie es ein Experte des Freiburger Max-Planck-Instituts für Strafrecht formuliert: "Die Polizei registriert nur die Straftaten, die von den Opfern angezeigt werden oder die sie - zu einem viel geringeren Anteil - durch eigene Kontrolltätigkeiten entdeckt". Damit liefert die Kriminalstatistik kein genaues Bild über die tatsächliche Kriminalität in Deutschland - und auch nicht über ihre genaue Entwicklung. Straftaten, die nicht der Polizei gemeldet werden, bezeichnet die Polizei als Dunkelfeld. Zahlreiche Straftaten werden nicht zur Anzeige gebracht und erscheinen deshalb nicht in der Statistik. Politisch motivierte Straftaten - und damit auch Terrorismus - werden gesondert erfasst.

Diese Nachricht wurde am 08.05.2018 im Programm Deutschlandfunk gesendet.

Das BKA führt dazu weiter aus: Die Daten "lassen keine vergleichende Bewertung der Kriminalitätsbelastung von Deutschen und Nichtdeutschen zu". Eine FDP-Anfrage im Berliner Senat ergab eine weitere Besonderheit. Das mindert die Vergleichbarkeit zwischen den einzelnen Berichten, die jeweils einmal pro Jahr erstellt werden.

74 400 Polizeibeamte angegriffenLaut Gewerkschaft der Polizei (GdP) wurden im vergangenen Jahr 74 400 Polizeibeamte Opfer von vollendeten und versuchten Straftaten - das seien rund 2600 mehr als 2016. Rund 168'000 Delikte sind mutmasslich Flüchtlingen zuzuschreiben. Ferner gab es rund 38.000 Verstöße gegen das Waffengesetz, was einem Plus von 10,3 Prozent entspricht. Bei allen tatverdächtigen Straftätern insgesamt stellen nichtdeutsche Tatverdächtige einen An-teil von 30,4 Prozent. Ihre Zahl an Tatverdächtigen sank mit 4,1 Prozent stärker als die der Gesamtzahl an Verdächtigen, die sich um 2,4 Prozent reduzierte.

NATIONALITÄT: Rückschlüsse auf die Herkunft der Täter sind nur begrenzt möglich. Dies liegt insbesondere am erheblichen Rückgang um 23,0 % (2017: 116.450 Fälle) beim Wohnungseinbruchsdiebstahl sowie um 22,7 Prozent (2017: 127.376) beim Taschendiebstahl. Auf die Zahl der Einwohner gerechnet kommt es daher in Frankfurt zu verhältnismäßig vielen Straftaten. Seehofer sagte, antisemitische Vorfälle, die nicht strafbar seien, aber das Zusammenleben gefährdeten, müssten dokumentiert und analysiert werden. Zur wahrscheinlich deutlich höheren Dunkelziffer bei etlichen Deliktgruppen wollte er sich nicht näher äussern.

Der Rückgang der Zahlen in Bezug auf vorherige Kriminalstatistiken ist ebenso problematisch. Der CSU-Politiker betonte aber auch, im Bereich des Terrorismus sei die Sicherheitslage nach wie vor angespannt und es müsse jederzeit mit einem Anschlag gerechnet werden.

Die Zahl der linksextremistischen Gewalttaten ist 2017 deutlich gestiegen.

Kriminalität, und das betrifft nicht nur hochorganisierte, mafiöse Strukturen, spielt sich oft weitgehend unter Ausschluss der Sicherheitsbehörden ab.

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