Ende einer Ära bei Fiat: Ex-Chef Sergio Marchionne gestorben

Die Formel 1 hat voller Bestürzung auf den Tod von Sebastian Vettels langjährigem Ferrari-Chef Sergio Marchionne reagiert.

Rom. Geschätzt und gefürchtet: Sergio Marchionne, bis vergangenen Samstag Chef von Fiat Chrysler (FCA), ist in Zürich gestorben, wie am Mittwoch bekannt wurde.

Der Aktienkurs, womöglich auch beeinflusst durch die Nachricht vom Tode des Mannes, der den Konzern 14 Jahre lang erfolgreich geleitet hatte, stürzte daraufhin in Mailand massiv ab.

Am Donnerstag kam es zu einer Erholung. Geplant waren mindestens 8,7 Milliarden Euro.

Marchionne starb im Krankenhaus in Zürich. "Er war zudem für uns alle ein wahrer Freund, und wir werden ihn zutiefst vermissen", sagte Carey über den 66-Jährigen. Im September werde in den FCA-Hauptquartieren in Turin und Auburn Hills eine Gedenkzeremonie stattfinden, teilte der Konzern mit. Insgesamt 14 Jahre hatte Marchionne an der Spitze des Konzerns gestanden, erst bei Fiat, dann bei dem fusionierten Unternehmen Fiat-Chrysler.

Die näheren Umstände des Todes des 66-jährigen Italo-Kanadiers Marchionne sind offiziell noch nicht bekannt. In Toronto studierte er Philosophie und Rechtswissenschaften, Betriebswirtschafstlehre in Windsor. Nach diversen Positionen als Anwalt und Wirtschaftsprüfer kehrte er nach Europa zurück. Der Jurist und Wirtschaftsprüfer war 2004 an die Fiat-Spitze gerückt, als das Turiner Unternehmen kurz vor der Pleite stand. Marchionne wird zugeschrieben, Fiat saniert zu haben. Im Bild: Marchionne mit Barack Obama.

Als Ferrari-Präsident galt Marchionne in der Formel 1 als kompromissloser Manager, der den Rennstall allerdings wieder in die Spur brachte.

Das Wunder gelang dem Top-Manager dank seiner finanztechnischen Brillanz, harten Verhandlungsmethoden - und einer beträchtlichen Dosis Waghalsigkeit. - Anlässlich der Vorstellung des neuen Fiat Punto im September 2005.

Marchionne mit der deutschen Kanzlerin Angela Merkel. Ihm ist auch die Formel-1-Rückkehr von FIAT-Marke Alfa Romeo als Namenspate für die Ferrari-Motoren bei Sauber zu verdanken.

Zu seinem Nachfolger als Fiat-Chrysler-Chef wurde Mike Manley ernannt. Das Schicksal entschied anders. Er hatte nach Komplikationen bei einer Schulteroperation in einem Zürcher Spital gelegen. Marchionne, hier mit FCA-Verwaltungspräsident John Elkann (rechts), fiel ins Koma und wurde in eine Zürcher Spezialklinik geflogen. Erst am Freitag, dem 20. Juli, habe Marchionnes Familie die Firmenspitze auf die gravierende Verschlechterung von Marchionnes Gesundheitszustand hingewiesen. Ferrari-Zögling Charles Leclerc, der beim unterlegenen Sauber-Team schon 13 Punkte einfahren konnte, war dafür auserkoren. Italiens Staatspräsident Sergio Mattarella würdigte Marchionne als Visionär, der eine wichtige Seite der Geschichte der Industrie des Landes geschrieben, nie Konflikte gescheut und nie aufgehört habe, für seine Pläne zu kämpfen.

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