Region: Özils Rücktritt: Kritik berechtigt?

Bayern-Boss Rummenigge stellte fest, dass der DFB "von Amateuren durchsetzt ist" - trotzdem traten die Mitarbeiter in Russland arrogant und selbstherrlich auf. Er habe das deutsche Trikot mit großem Stolz und Enthusiasmus getragen, "aber jetzt nicht mehr", heißt es in der auf Englisch verfassten Erklärung.

Denn dem DFB würden "von der Kreisklasse bis in die Nationalmannschaften" Spieler mit "Migrationshintergrund" angehören.

Der deutsche Nationalspieler Mesut Özil "bricht sein Schweigen" (welch dramatische Wortwahl für so wenig): Er twittert.

Der DFB betonte, dass "Vielfalt eine Stärke" sei und zwar "nicht nur im Fußball".

Wie ist die Stellungnahme des DFB aber einzuschätzen? Und dass der DFB-Präsident Grindel für Horst Seehofers AfD-light "die Drecksarbeit" übernimmt und "aus dem Volksverband DFB eine Inquisitionskammer der Neurechten" macht: "Jetzt, wo der 'Türke' Özil den Deutschen keinen Sieg aus Moskau gebracht hat, solle er sich bekennen: entweder zu Deutschland oder schuldig!" Der DFB werde sich mit der Aufarbeitung der gesamten Weltmeisterschaft beschäftigen. Dass der DFB dazu nicht fähig war und ist, ist unsäglich.

Die Neue Züricher Zeitung schreibt: "Wie Gündogan versuchte Özil, das Treffen (mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan) als eine Zusammenkunft rein privater Art begreiflich zu machen".

Auch unsere Kollegin Marina Schweizer hat den Streit um Özil noch einmal beleuchtet.

Auch der Deutsche Fußballbund (DFB) engagiere sich mit zahlreichen Projekten für die Integration und den Zusammenhalt in unserem Land, sagte Demmer weiter. Er spart niemanden aus: "die Medien, die Führung des DFB, die Politiker, die ihm nie eine Geste verziehen hätten, die für ihn nur Respekt für das höchste Amt im Land seiner Familie gewesen sei". "Wir bedauern, dass Mesut Özil nicht mehr für die deutsche Nationalmannschaft spielen wird". Alle Welt richte nun den Fokus auf dieses Statement. "Was auch immer der Ausgang der vorangegangenen Wahl gewesen wäre oder auch der Wahl zuvor, ich hätte dieses Foto gemacht", schrieb Özil. Er begründete dies auch mit Rassismus innerhalb des DFB. Auf einer drei Seiten langen Erklärung, begründete er den Schritt. Ein Bekenntnis zu diesen Grundwerten ist für jede Spielerin und für jeden Spieler erforderlich, die für Deutschland Fußball spielen.

Wie integrativ ist der Sport?

Politiker über alle Partei- und Landesgrenzen hinweg, selbst Schriftsteller äußern sich zu diesem einmaligen Vorgang. Dem Sport komme hier eine wichtige Bedeutung zu.

"Ich glaube auch nicht, dass der Fall eines in England lebenden und arbeitenden Multimillionärs Auskunft gibt über die Integrationsfähigkeit in Deutschland".

"Egal was sie sagen, Du warst, bist und wirst immer ein Gewinner sein, Özil".

Kein Fußball-Nationalspieler und wohl kaum ein anderer deutscher Prominenter ist in den Sozialen Netzwerken so populär wie Özil. "Bei allem Verständnis für die familiären Wurzeln", müssten sich Spieler der Fußballnationalmannschaft aber "Kritik gefallen lassen, wenn Sie sich für Wahlkampfzwecke hergeben".

Manche sind der Ansicht, dass der Rücktritt Özils aus der Nationalmannschaft auch einen Rückschlag für die Integrationsbemühungen in Deutschland bedeutet. "Man kann ja auch bei uns kritisch gegenüber der Bundesregierung sein und Deutschland trotzdem lieben".

Der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland, Sofuoglu, kritisierte den DFB. "Bravo Mesut", schreibt ein unbekannter User auf Twitter. Wenn Bundestrainer Löw nun am 29. August das Aufgebot für die nächsten Länderspiele nominiert, wird Özil fehlen.

Unionspolitiker forderten nach Özils Rückzug ein Bekenntnis zur freiheitlichen Ordnung.

Ausgabe: