Trump betont nach Eklat auf Nato-Gipfel "gutes Verhältnis" zu Merkel

Mal Freund, mal Feind, aber immer Donald Trump.

US-Präsident Trump stiftet Chaos beim Nato-Gipfel. Die Stimmung ist aber auch unter den anderen Regierungschefs angespannt. Ein "großartiger Gemeinschaftsgeist" habe geherrscht.

Von der Leyen relativierte auch Trumps Forderung, Deutschland müsse 2 Prozent seiner Wirtschaftsleistung für die Nato ausgeben: "Ich hätte gern, dass der Geschäftsmann Donald Trumpnicht nur auf die Bilanzaufstellung schaut, sondern auch auf den Ertrag", sagte sie.

NBC-Moderatorin Savannah Guthrie kommentierte Trumps Eklat, bei dem er mit allen diplomatischen Protokollen gebrochen hatte, in der Today Show fassungslos: "So etwas hat noch niemand gesehen". "Ich habe für mich deutlich gemacht, andere haben das auch deutlich gemacht, dass wir auf diesem Weg sind und dass dies in unserem eigenen Interesse ist". Es gibt Orangensaft, Obstsalat und Toast - und zur Einstimmung eine beispiellose, minutenlange Schimpftirade gegen Deutschland: Es sei sehr traurig, dass Deutschland einen "massiven Öl- und Gasdeal mit Russland macht", erklärt Trump. "Unsere militärische Ausrüstung ist besser als die anderer Länder".

Paul Ryan, der ranghöchste Parteipolitiker nach dem US-Präsidenten, bezeichnete das Bündnis am Mittwoch in Washington als "unverzichtbar".

Heftig wie nie waren die Attacken. May sagte, die britischen Verpflichtungen in Afghanistan zeigten: Wenn die Nato rufe, stehe das Vereinigte Königreich als eines der ersten Länder bereit.

In einigen Punkten hat Trump ja durchaus recht.

Trump will die Nato nicht zerstören. Er könnte mit Putin auch über ein Ende der US-Militärübungen zum Schutz der Nato-Partner im Baltikum sprechen, räumte er ein. 2024 soll die Quote nach einem Versprechen von der deutschen Kanzlerin Angela Merkel bei 1,5 Prozent liegen. Befürchtet wird, dass der Präsident dabei Zugeständnisse machen könnte, die nicht im Sinne des Verteidigungsbündnisses wären.

Beide Kammern des US-Parlaments gaben Trump mit überwältigender Mehrheit Pro-Nato-Bekenntnisse mit auf den Weg nach Brüssel. Derzeit liegen die deutschen Verteidigungsausgaben bei 1,24 Prozent des BIP, 2022 nur noch bei 1,23 Prozent. "Die Trendwende ist längst eingeleitet". Alle europäischen Nato-Mitglieder seien sich einig über die veränderte Sicherheitslage. Eine Lösung für das Problem mit Trumps Forderungen fanden auch die versammelten Staatschefs nicht. Generalsekretär Jens Stoltenberg spielte die Auseinandersetzung herunter und nannte den Gipfel sehr gut. Er finde das deutsche Verhalten "sehr unangemessen", es sei "sehr traurig", dass Deutschland solche Deals abschließe. Nur mühsam verkleistert die Abschlusserklärung der 29 Nato-Staaten die tiefgreifenden Meinungsverschiedenheiten. Viele Briten sprachen sich dagegen aus, dass die Queen Trump empfängt. Was genau er damit meinte, ließ er jedoch offen.

Die Staats- und Regierungschefs der Nato hatten 2014 vereinbart, dass sich alle Mitgliedstaaten bei ihren Verteidigungsausgaben bis 2024 einem Wert von zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts annähern sollen.

Auch Trumps Stabschef John F. Kelly (68) schien wenig erfreut über die harschen Worte seines Chefs. Kanada erfüllt das informelle Zwei-Prozent-Ziel nicht. Der heimischen Wirtschaft hingegen trauen viele Amerikaner deutlich weniger zu, ihr Ansehen hat in den vergangenen Jahren arg gelitten.

Mit seiner Kritik an Nord Stream 2 macht Trump nach dem Streit über den Klimaschutz, das Iran-Atomabkommen, über Strafzölle und Autoimporte aus Deutschland eine weitere transatlantische Konfliktlinie auf. Alles sei einfach nur mehr peinlich. Im drastischsten Fall könnte aber sogar ein Bruch mit der NATO stehen. "Vielleicht werde ich mit ihm reden, wenn ich da drüben bin".

Auch auf den Handelsstreit mit der EU ging er ein. Trump begründete dies am Dienstag mit dem Streit um die Verteidigungsausgaben sowie mit der Regierungskrise in Großbritannien. Eine weitere Erhöhung ist aber in Deutschland kaum vermittelbar. Die rund 1200 Kilometer lange Pipeline Nord Stream 2 soll russisches Erdgas über die Ostsee nach Mittel-und Westeuropa transportieren. Mit ihr begebe Deutschland sich in die Gefangenschaft Russlands, hatte Trump zuvor gewarnt. Und auch für Deutschland hat er plötzlich wieder versöhnliche Töne: "Ich habe große Achtung vor Deutschland", heißt es plötzlich nach der Sitzung. Schließlich stamme sein Vater aus Deutschland.

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