Trump drängt auf Militärausgaben von vier Prozent

Zugleich entkräftete der US-Präsident seine zuvor geäußerte Kritik an Deutschland etwas. "Dem einen oder anderen treibt allein die Tatsache Schweißperlen auf die Stirn, dass sich Trump und Putin treffen, ohne dass irgendetwas mit den Nato-Partnern abgestimmt ist", sagte er den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Ein "großartiger Gemeinschaftsgeist" habe geherrscht.

US-Präsident Trump stiftet Chaos beim Nato-Gipfel. Die Staats- und Regierungschefs seien ob dem forschen Ton regelrecht baff gewesen sein, hiess es.

Eigentlich wollen die Bündnispartner auf ihrem Nato-Gipfel Stärke und Geschlossenheit.

"Deutschland ist total von Russland kontrolliert", sagte der US-Präsident. Russlands Präsident Putin bezeichnete der US-Präsident als "Konkurrent" und nicht als "Feind".

Heftig wie nie waren die Attacken. "Die USA stehen weiter zur Nato". Gleichzeitig hoffe Trump, dass sich mit Putin ein freundschaftliches Verhältnis entwickeln könne.

AUSSAGE: "Deutschland wird vollständig von Russland kontrolliert, weil es 60 bis 70 Prozent seiner Energie aus Russland bezieht". Ihre Kollegen aus der Ukraine und Georgien, die zuvor an den Beratungen teilgenommen hatten, müssen den Saal verlassen.

Was ist Hintergrund des Streits?

In zwei Runden redeten die Staatschefs auf Trump ein, mahnten ihn zur Mäßigung.

Bei der Krisensitzung sprach Merkel von einer "sehr ernsten Diskussion". So sagte der französische Präsident Emmanuel Macron, es seien nur bereits gemachte finanzielle Zusagen bekräftigt worden.

Trump gab sich von all dem unbeeindruckt. Deutschland kommt in diesem Jahr unverändert auf 1,24 Prozent. "Die Trendwende ist längst eingeleitet".

Darüber sind sich sehr deutliche Mehrheiten aller Parteianhängergruppen einig. Eine Lösung für das Problem mit Trumps Forderungen fanden auch die versammelten Staatschefs nicht. "Die Tür der Nato ist und bleibt offen: Wir sind übereingekommen, die Regierung in Skopje einzuladen, Beitrittsgespräche zu beginnen", sagte Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg.

Auf Amerika sei unter Trump kein Verlass, sagt der frühere SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel.

Zwischenzeitlich hatte es Berichte gegeben, wonach Trump mit dem Austritt der USA aus dem Bündnis gedroht habe.

Trump wollte von einem Zerwürfnis anschließend nichts wissen.

Als der Gipfel dann zu Ende geht, sieht alles plötzlich nicht mehr so dramatisch aus. Wie Trump auf die 4,2 Prozent kommt, ist unklar. Nun sei die Bundesregierung aber bereit, die Beschlüsse des Nato-Gipfels von Wales aus dem Jahr 2014 umzusetzen und sich bei den Verteidigungsausgaben "in Richtung zwei Prozent" der Wirtschaftsleistung zu bewegen.

Er werde jedenfalls nicht per Tweet - wie beim G7-Gipfel geschehen - wieder alles zurücknehmen, so Trump. Zu Zeiten des Kalten Kriegs hätten die Ausgaben noch über dem Zwei-Prozent-Ziel gelegen, dann sei es aber zu starken Einsparungen gekommen, kommentierte Merkel in der Video-Botschaft.

Brüssel Zuckerbrot und Peitsche, und das in einem immer rasanteren Wechsel: Trump droht den Nato-Partnern mehrfach. Auf eine Frage zu Trumps Drohung sagte sie: "Ich kann nur zusammenfassen, was das Ergebnis ist: Klares Bekenntnis aller zur Nato und eine deutliche Bereitschaft aller, angesichts veränderter Sicherheitslagen einen Beitrag zu leisten". "Aber das wird nicht notwendig sein". Man könne lange darüber diskutieren, ob das Nato-Ziel sinnvoll sei, sagte er der "Welt". Eine weitere Erhöhung ist aber in Deutschland kaum vermittelbar.

Trump bejahte bei dem Treffen mit Merkel die Frage, ob er die von ihm gleichfalls kritisierte geplante Gaspipeline Nord Stream 2 angesprochen habe.

Das russische Präsidialamt wies zudem die Beschreibung Trumps zurück, Deutschland sei ein "Gefangener" Russlands.

Dabei habe er großen Respekt vor Deutschland.

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