Uli Hoeneß kritisiert Mesut Özil nach Rücktritt aus Nationalelf

In einer sehnsüchtig erwarteten, aber dünnen Erklärung zum Rücktritt von Mesut Özil aus der Nationalelf distanziert sich "die Direktion Öffentlichkeit und Fans" im Namen des DFB-Präsidiums von allen Vorwürfen. Teil 2 über Medien und Sponsoren (um 15.03 Uhr) - und in Teil 3 (20.04 Uhr) erklärte er seinen Rücktritt. Weil Politiker wie der CDU-DFB-Mann Grindel sich gegen eine doppelte Staatsbürgerschaft wehrten, musste Özil mit der Volljährigkeit wählen: Er legte die türkische ab und wurde Deutscher. Das Deutschland der wimpelschwingenen, nationalistischen Spießer, das Deutschland der Effenbergs, Baslers und Matthäus' und die Rumpelfußballer des deutschen Geistes und der deutschen Politik haben gesiegt. In seiner Rücktrittserklärung ging der gebürtige Gelsenkirchener Özil mit teils drastischen Worten auf den größten Sportverband der Welt los und wandte sich auch direkt an den Präsidenten Reinhard Grindel (56).

In einer Mitteilung am Montagmittag hieß es: "Der DFB bedauert den Abschied von Mesut Özil aus der Nationalmannschaft". Aber mit wem möchte er sie teilen? "Die Aussagen erhalten eine übermäßige Aufmerksamkeit, die hätte vermieden werden können, wenn Özil seine Beweggründe viel früher kommuniziert hätte".

Sögüt verwies hingegen auf 63 Torbeteiligungen seines Schützlings im Trikot des Weltmeisters von 2014 und auf die Tatsache, dass Özil fünfmal zum Nationalspieler des Jahres gekürt wurde.

Özils Haltung, der sich beispielsweise konsequent weigerte, vor Spielen die deutsche Nationalhymne mitzusingen, der jetzt nach seinem Rücktritt pauschal von "Rassismus" spricht, wenn er wegen des Fototermins mit dem türkischen Präsidenten Erdogan kritisiert wird, zeigt also eine Haltung, die für die Mehrheit der türkischstämmigen Migranten in Deutschland charakteristisch ist.

Die Multikulti-Erzählung des DFB mit der Nationalmannschaft verschiedener Hintergründe, mit Fußball als Modell für eine progressive Gesellschaft, mit seinem Engagement gegen Rassismus liegt nun in Scherben. Dass er als Fußball-Parvenü das höchste nationale Amt in dem Sport im Quereinstieg erobern konnte, soll auch daran gelegen haben, dass er mit vielen anderen Funktionären dank der unfallfreien Verwendung einiger Fremdworte leichtes Spiel hatte. Er hat sich in der Sache Erdogan-Foto in keiner Weise einsichtig gezeigt.

DFB reagiert auf Özil-Rücktritt
Das neueste Opfer des deutschen Rassismus

Özil warf "bestimmten deutschen Zeitungen" rechte Propaganda vor, "um ihre politischen Interessen voranzutreiben".

Grindel war von Özil in dessen Rücktrittserklärung am Sonntag massiv angegangen worden. Emre Can, ebenfalls deutscher Nationalspieler mit türkischen Wurzeln, der in der englischen Premier League Fußball spielt, hat vorgemacht, dass es durchaus auch möglich war, sich den Bildern mit einem Demokratiefeind zu verweigern.

Diese Frage haben nur 21 Prozent der Deutschen mit "Ja" beantwortet. Er sei ein toller Fußballer, der viel geleistet habe und seine Entscheidung sei zu akzeptieren. "Aber vielleicht sollte man, bevor man darauf eingeht, noch einmal auch Mesut Özil hinterfragen". Dann fügte er an: "Persönlich möchte ich noch sagen: Mesut Özil ist Deutscher und deshalb selbstverständlich auch mein Mitbürger".

Nun sind diese beiden prominenten Damen sicher nicht durch ihre Qualitäten am Ball bekannt, sie sind politische Akteure.

Hoeneß verstehe auch nicht, warum Özil erst nun sportlich hinterfragt wurde. Jetzt, wo ihm die Sponsoren abspringen, beißt Özil um sich, keilt gegen jeden und alle und schmeißt hin, was sowieso nicht mehr zu reparieren war. Widmann-Mauz sagt: "Man gewinnt als Mannschaft und verliert als Mannschaft".

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