Vettel bei Formel-1-Rennen in Hockenheim ausgeschieden

Sebastian Vettel war schon lange weg, da stand das Resultat des Deutschland-Rennens erst endgültig fest. Selbst eine Strafe und die nachträgliche Siegaberkennung für seinen Widersacher Lewis Hamilton hätten daran nichts geändert.

Der Traum vom Heimsieg ist für Sebastian Vettel geplatzt. Die Fahrer freuen sich Runde für Runde auf den Streckenabschnitt mit Kribbel-Faktor. Der Heppenheimer trommelt mit beiden Fäusten aufs Lenkrad, funkt völlig konsterniert: "Verdammte Sch...!" "Es war mein Fehler, deswegen habe ich mich beim Team entschuldigt". "Ich habe es versaut!" Dann verließ er hastig den Hockenheimring, der mit 71.000 Zuschauern so gut besucht war wie seit 2005 nicht mehr, als Vettels Freund Schumacher als amtierender Weltmeister seinen Ferrari über die Strecke hetzte.

Das wurde spätestens in Hockenheim deutlich - auf einer vermeintlichen Mercedes-Strecke.

Hamilton wechselte trotz angekündigten Regens auf die schnellstmöglichen Ultrasoft-Reifen. Hamilton ist der König im Regen-Chaos!

Der Ferrari-Star verwies Valtteri Bottas im Mercedes in der Qualifikation auf den zweiten Platz und nutzte das frühe Aus seines Erzrivalen Lewis Hamilton im zweiten Silberpfeil eiskalt aus. Der am Freitag so starke Red-Bull-Pilot Max Verstappen landete mit Respektabstand auf dem vierten Platz (+0,610). Mit etwas Glück und Geschick konnte er jedenfalls einen donnernden Konter im Kampf um den WM-Titel setzen. Das Team hat einen Super-Job gemacht - das Auto war unglaublich. Ich hätte nicht für möglich gehalten, dass das heute klappen könnte. "Es war wirklich schwierig, aber die Bedingungen waren. perfekt!"

Vettel verspielt WM-Führung: Hockenheim-Fluch hält an
Bitteres Aus beim Heim-Grand-Prix | Regen-Crash von Vettel! Irrer Hamilton-Triumph in Hockenheim

Damit hat sein englischer Dauerrivale im Mercedes auch wieder die Gesamtführung in der WM-Wertung übernommen und mit seinem Sieg auf dem Hockenheimring und nach der Nullnummer von Vettel jetzt 17 Punkte Vorsprung. Noch entscheidender wird es für Vettel allerdings sein, in den Rennen nach der Sommerpause den Anschluss zu halten. "Dieser Fehler ärgert extrem".

Für Spannung sorgten nicht nur die Spitzenreiter, auch Lewis Hamilton, der nach dem enttäuschenden Abschlusstraining vom 14. Startplatz losfahren musste, bescherte den vollen Zuschauertribünen eine fulminante Show. Der Finne hatte schon in der 14. Hamilton konstatierte: "Es macht so viel mehr Spaß von hinten nach vorne zu fahren, als das Rennen von vorne zu beginnen". "Ich werde alles versuchen, aber auf dieser Strecke kann man nur schwer überholen", sagte Hamilton. Andererseits sei es schon seltsam, dass Ferrari innerhalb von einem Rennen zum anderen so signifikant Leistung gefunden hätte. Der Brite musste seinen Boliden bereits im ersten Qualifying-Abschnitt abstellen. Diesen Rang gab es erst einmal im Jahr 2001. Just nachdem der an diesem Grand-Prix-Wochenende klar überlegene Vettel ausgeschieden war, fuhr Bottas an die Mercedes-Garage und wechselte ein letztes Mal die Reifen. Dahinter lag Hamilton, der im Gegensatz zum Scuderia-Duo noch keinen Reifenwechsel hatte. Daraus wurde schnell ein Schauer, und Alfa Romeo-Sauber holte als erstes Team einen Fahrer an die Box, um Intermediates aufziehen zu lassen.

Eine Verkürzung des Rückstands beim Großen Preis von Ungarn, dessen langsamere Kurven Ferrari eher entgegenkommen als Mercedes, ist daher durchaus wahrscheinlich. In Runde 39 war Vettel dann vorbei und lag wieder auf Rang eins.

Als sich der Champagner auf seinem Gesicht mit dem erneut einsetzenden Regen mischte, war nicht nur die zweieinhalb Grands Prix währende Pannenserie des Superstars der Szene beendet. Das war die Frage. Es wurde richtig hektisch. Was für eine Enttäuschung! Widersprüchliche Befehle vom Kommandostand ("Komm rein, bleib draußen") hatte er einfach durch die fahrerische Selbstjustiz ersetzt, es war die intuitiv richtige Entscheidung: "Vielleicht war ich in dieser Phase der, der am gelassensten geblieben ist".

Und hatte danach noch Glück: Denn für ein verbotenes Manöver bekam er nur eine Verwarnung.

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