Chemnitz: Zwei Haftbefehle nach tödlicher Messerattacke auf Stadtfest beantragt

Am Sonntagnachmittag waren rund 800 Menschen durch die Chemnitzer Innenstadt gezogen, bei einer nicht angemeldeten Kundgebung.

Gut eine Stunde vorher hatten mehr als 1000 Menschen gegen rechte Gewalt demonstriert, nur wenige Meter vom rechten Lager getrennt.

Die örtliche Polizei, die auf solch spontane größere Menschenansammlungen nicht vorbereitet war, konnte zeitweilig ihr Gewaltmonopol nicht aufrechterhalten. Derzeit liefen Planungen, wie damit umgegangen werden solle. Unter ihnen waren offenbar viele Rechtsextreme, Videos im Internet zeigen, wie sie Polizisten angreifen und andere Menschen jagen.

Derweil hat die Generalstaatsanwaltschaft in Dresden hat die Ermittlungen zu den gewalttätigen Auseinandersetzungen am Rande des Chemnitzer Stadtfestes am Sonntag übernommen.

Der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) berichtete am Sonntag von Rangeleien. Das am Freitag begonnene Stadtfest wurde aus Sicherheitsgründen abgebrochen.

Wie die Staatsanwaltschaft Chemnitz mitteilte, seien beide aufgrund der bisherigen Ermittlungen "dringend verdächtig", in der Nacht zum Sonntag nach einem Streit ohne Grund mehrfach mit einem Messer auf einen 35-jährigen Deutschen eingestochen zu haben. Gegen einen Syrer und einen Iraker wurden Haftbefehle erlassen. Zunächst hatte die Stadt von "Pietätsgründen" geredet. Ein Polizeisprecher hatte am Montagabend eingeräumt, dass die Polizei nicht mit dieser Zahl an Demonstranten gerechnet habe. Geschätzt weit mehr als 2000 Menschen hatten sich dort versammelt. Dies sei störungsfrei verlaufen. Diese Versammlung ging auf einen Aufruf der rechtspopulistischen Alternative für Deutschland (AfD) zurück.

Die Empörung über den Todesfall geschürt hatten rechtspopulistische Gruppen, die am Sonntag und Montag zu Demonstrationen aufgerufen hatten. Seit Dresdner Beamte bei einer Kundgebung der islamfeindlichen Pegida-Bewegung Mitte August Journalisten des ZDF bei der Ausübung ihrer Arbeit behindert haben, wird die sächsische Polizei in Teilen der linken Szene als Feindbild wahrgenommen und pauschal als "Pegizei" verunglimpft. Aufgebracht und wuterfüllt bewegte sich die Gruppe anschließend durch die Innenstadt. Die Ansammlungen hatten sich am Abend nach und nach aufgelöst.

Hintergrund ist ein verhängnisvoller Streit in der Nacht zum Sonntag in Chemnitz mit einem Toten.

Ihrerseits klagen Polizisten über Personalmangel: Der jahrelange Abbau von Stellen habe dazu geführt, dass alle Einsatzkräfte stets verplant seien, erklärte Oliver Malchow, der Chef der Gewerkschaft der Polizei, der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Sie wurden nun dem Haftrichter vorgeführt.

Die Ursache für den Streit ist noch unklar. Nach Polizeiangaben hatte es kurz nach 3 Uhr auf der Brückenstraße einen Streit zwischen mehreren Männern verschiedener Nationalitäten gegeben. Durch Böller- und Flaschenwürfe von beiden Seiten wurden mehrere Personen verletzt. Einige Rechtspopulisten sollen zudem "nach ersten Hinweisen" den Hitlergruß gezeigt haben. Die Polizei appellierte, sich nicht an Spekulationen zu beteiligen. Bei dem Vorfall war am Wochenende ein 35 Jahre alter Deutscher getötet worden, zwei weitere Männer erlitten schwere Verletzungen. Aus beiden Lagern wurden Feuerwerkskörper und Gegenstände geworfen, es gab mindestens zwei Verletzte. "In der Nacht ist alles ruhig geblieben", sagte ein Sprecher am Dienstagmorgen. Die Polizei bilanziert 18 verletzte Demonstranten - wobei sie keine Angaben dazu macht, an welcher Versammlung diese teilnahmen - und zwei verletzte Polizisten.

Regierungssprecher Steffen Seibert verurteilte am Montag in Berlin die Übergriffe auf Migranten scharf. "Rechtsextremismus ist nicht nur eine Bedrohung von Menschen anderer Herkunft, sondern eine Gefährdung für den Zusammenhalt unserer Gesellschaften", sagte der SPD-Politiker in Berlin. Zur gleichen Zeit will auch "Pro Chemnitz" erneut auf die Straße gehen.

Auch die rechtspopulistische AfD hatte sich von der Gewalt distanziert.

Polizei und Justiz arbeiteten mit Hochdruck an der Aufklärung der tragischen Geschehnisse. Der 35-jährige Daniel H. ist einer von ihnen. Noch am Abend räumte die Polizei ein, mit zu geringer Einsatzstärke vor Ort gewesen zu sein.

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