Lira-Krise in der Türkei: Was bedeutet das für uns?

Die "Financial Times" (FT) schreibt: "Die Tragödie der sich verschärfenden türkischen Währungskrise ist, dass sie größtenteils selbst selbstverschuldet ist".

Schon seit Tagen kursiert im Kurzmitteilungsdienst Twitter die Forderung, keine Reklame mehr bei US-Firmen zu schalten. Sogar Erdogans Macht sehen manche Beobachter mittlerweile in Gefahr: "Wenn die Menschen einen Verfall ihres Lebensstandards erleben, wird es für jede Regierung kritisch", sagt etwa Clemens Fuest, Chef des renommierten Wirtschaftsforschungsinstituts ifo im "Handelsblatt".

Er betonte, dass es den USA nicht gelingen werde, die Türkei in die Knie zu zwingen.

Investoren und Marktbeobachter innerhalb wie ausserhalb der Türkei zeigen sich ratlos angesichts der Haltung von Erdogan. US-Präsident Donald Trump hatte am Freitag veranlasst, die Zölle auf Stahl und Aluminium zu verdoppeln. Für die türkische Wirtschaft ist dies eine Katastrophe, zumal sich der Außenwert der Währung gegenüber dem Dollar innerhalb von nur einem Jahr geradezu halbiert hat. Erdogan kann einen Handelskrieg gegen die USA - so umstritten Trumps Zollpolitik auch ist - nicht gewinnen. Die Schritte dürften darauf zielen, die Liquidität am türkischen Finanzmarkt zu erhöhen. Zudem sagte er laut der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu, dass Einlagen nicht beschlagnahmt und Devisen auf Bankkonten nicht in Lira umgewandelt würden. Bislang lehnt Erdogan allerdings eine Erhöhung der türkischen Leitzinsen ab. Zwischenzeitlich brach der Titel des stark am türkischen Markt engagierten Unternehmens um fast zwölf Prozent auf 49,15 Euro ein.

Der Gang zum Internationalen Währungsfonds scheint unter diesen Bedingungen nur noch eine Frage der Zeit. Zuvor hatten die USA bereits zwei Minister mit Sanktionen belegt. Kritik gibt es dabei auch für US-Präsident Trump: "Wir sind bestürzt darüber, dass die USA die Türkei treten, während sie am Boden liegt und unter wirtschaftlichen Schwierigkeiten leidet". Seit dem Fall des in der Türkei festgehaltenen US-Pastors Andrew Brunson schaukelt sich der Streit zwischen den USA und der Türkei immer weiter hoch. Die türkische Landeswährung Lira brach unter anderem daraufhin ein. Vor Abgeordneten seiner AK-Partei versuchte Erdogan zugleich Sorgen über den Kursverfall der Lira und Verluste an den Aktienmärkten zu zerstreuen: Die notwendigen Maßnahmen in Bezug auf die Wirtschaft seien ergriffen worden.

Kommt der Nachfolger gar nicht erst in die Türkei?

Erdogan bleiben wenig Optionen, wenn er keine tiefe Wirtschaftskrise riskieren will. Dass die Türken nach dem provokanten Kauf von russischen S-400-Raketen nun auch noch die Stationierung russischer Militärs in der Türkei zulassen könnten, führte schon zu Gegenmanövern: Der US-Kongress blockierte vorerst den Verkauf von F-35-Kampfjets an den Nato-Partner Türkei. Dort wird er auch auf einer Botschafterkonferenz des türkischen Aussenministeriums sprechen. Dann könne es für die Türkei nötig werden, sich "nach neuen Freunden und Verbündeten umzuschauen". Die USA hatten deswegen Sanktionen gegen den türkischen Innenminister Süleyman Soylu und gegen Justizminister Abdülhamit Gül verhängt. Das russische Aussenministerium kündigte am Sonntag Vorbereitungen für eine teilweise Aufhebung der Visapflicht für türkische Staatsbürger an. Die Strafzölle treten am Montag 0.01 Uhr (6.01 Uhr MESZ) in Kraft.

Der Währungsverfall trifft Bürger und Unternehmen in der Türkei gleichermaßen hart.

Ankara hat Gegenmassnahmen angekündigt, doch zunächst ohne weitere Erläuterungen. Doch nun steht es für die Türkei Spitz auf Knopf. Hierzulande wird es aber kaum anders aussehen.

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