USA - Trump äußert sich zu möglichem Amtsenthebungsverfahren

Nebenbei ist ein Ende der langen Ermittlungen von Robert Mueller in der "Russland-Affäre" wegen mutmaßlicher Kollaboration Trumps mit den Russen zu Zwecken der Beeinflussung der Präsidentenschaftswahl 2016 vorerst nicht in Sicht.

Anders als Manafort sei Cohen "gebrochen" und erfinde Geschichten, um einen Deal mit den Ermittlern zu bekommen. Er solle über Dokumente befragt werden, die sowohl persönliche als auch geschäftliche Steuererklärungen sowie Steuerangaben der Trump-Stiftung betreffen, berichtet die Zeitung weiter. Er bezichtigte ihn indirekt zudem der Lüge.

Cohen war jahrelang und bis vor wenigen Wochen Trumps Privatanwalt gewesen.

Das wird unterschiedlich beurteilt. - Auch ohne Anklage oder Amtsenthebungsverfahren dürfte Trump politischen Schaden nehmen. Neben den Verstößen gegen die Gesetze zur Wahlkampffinanzierung räumte er auch Steuervergehen ein.

Trumps Anwalt Rudy Giuliani reagierte prompt: Die Vorwürfe gegen Cohen enthielten keine Anschuldigungen gegen Trump.

Knapp zwei Stunden gönnte sich der US-Präsident in seiner bizarren Parallelwelt.

Trump habe von den Zahlungen erst "im Nachhinein" erfahren. "Bei den Zwischenwahlen tendiert die Partei des Präsidenten dazu, weniger interessiert und motiviert zu sein".

Insgesamt bekannte sich Cohen in acht Punkten schuldig, darunter Steuerhinterziehung und Falschaussage gegenüber einer Bank. Mögliches Strafmaß: eine zweistellige Jahreszahl. Dies gab Cohens Verteidiger Lanny Davis bekannt.

Das Verfahren gegen Manafort war das erste, das sich im Zuge der Untersuchung von Sonderermittler Robert Mueller ergeben hat. Seine Unterstützung für Trump sei ungebrochen, sagte er am Rande einer Wahlkampfveranstaltung des Präsidenten für die Republikaner am Dienstag in Charleston im Bundesstaat West Virginia. Im April hatte das FBI bei Durchsuchungen von Cohens Hotelzimmer, Büro und Wohnung Dokumente und Akten beschlagnahmt. In einem Dossier des britischen Ex-Geheimdienst-Agenten Christopher Steele wird Cohen schwer belastet. Es sei "sehr traurig", was Manafort nun widerfahre.

Es wäre für Trump ein Leichtes gewesen, sich von Manafort zu distanzieren.

Manaforts langjähriger Mitarbeiter und Weggefährte Rick Gates hatte den Angeklagten in dem Prozess schwer belastet. Das kann sich ändern. Auch am Mittwoch sprach der Präsident erneut von einer "Hexenjagd". Das bedeutet: Er wird wahrscheinlich den Rest seines Lebens hinter Gitter verbringen.

Ein Gerichtsverfahren gegen Trump scheint derzeit zwar unwahrscheinlich. Strafnachlässe aktiviert werden könnte.

Eine dieser Zahlungen, 130.000 Dollar, ging an die Pornodarstellerin Stormy Daniels. Daniels Anwalt Michael Avenatti: "Trump hat vor laufender Kamera das amerikanische Volk belogen". Ob auch Trump im Fall der Fälle mit einem solchen Bonus rechnen kann, ist mehr als fraglich. Ab September muss er sich in einem weiteren Prozess verantworten.

Auch Donald Trump selbst dürfte nun einige Probleme am Horizont erahnen.

Ja, sagen diverse Rechtsexperten.

Der demokratische Fraktionschef im Senat, Charles Schumer, forderte seine Parteikollegen jedoch auf, die Erkenntnisse rund um Cohen zu nutzen, um die Wahl des von Trump nominierten Richters für den Obersten US-Gerichtshof, Brett Kavanaugh, hinauszuzögern. Für die Demokraten stellt das Duo Cohen/Manafort feines Wahlkampf-Futter dar.

Ein Experte am Sender MSNBC: "Der Präsident ist jetzt gerichtsanhängig als Komplize in einem Verbrechen - das hat es seit Richard Nixon nicht mehr gegeben". Das wird - abgesehen von einem harten Kern seiner Wähler - nicht verfangen. Hier folgt man eisern Trump, der sich konsequent als Opfer einer Rufmord-Kampagne stilisiert, die angeblich von Demokraten und Teilen des Regierungsapparates gesteuert wird. Er sagte, er habe das im Auftrag "eines Kandidaten" getan, nannte aber dessen Namen nicht. In einer ersten Reaktion bezog er sich nur auf das Urteil gegen Manafort. Die Russland-Affäre wird noch viele Schlagzeilen produzieren.

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