Wird Deutschland die Türkei retten? Türkei-Krise

Analysten bestätigen zwar, dass die unmittelbare Krise durch die erhöhten Sanktionen ausgelöst worden ist, die türkische Wirtschaft sich aber schon seit einer Weile wegen der hohen Inflation und der schwachen Lira auf dünnem Eis befand.

Bislang haben diese Ankündigungen, die mit dem bisherigen Wirtschaftskurs von Staatschef Erdogan - der sich wiederholt als "Zinskritiker" outete - brechen würden, keine Erholung des Lirakurses zur Folge gehabt. Einem Medienbericht zufolge sorgt sich inzwischen auch die Europäische Zentralbank (EZB) um Bankhäuser mit starkem Engagement in der Türkei. Jene, die "Spekulationen" verbreiteten, sollten dafür zahlen. Einfache Lösungen gebe es nicht. Es sei auch im Interesse der Europäer, einen wirtschaftlichen Absturz des Landes zu verhindern: "Die Türkei ist ein wichtiger Handelspartner". Ausländische Anleger investierten zwischen 2002 und 2012 mehr als 200 Milliarden Euro in die türkische Wirtschaft. Theoretisch könnten die Europäer der Türkei auch mit Euro-Darlehen helfen und dafür Bedingungen formulieren.

Die Politik des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan bringt sein Land an den Rand des Abgrunds. Seinen Worten nach wird Aluminium aus der Türkei künftig mit Zöllen von 20 Prozent belegt werden.

Allein spanische Institute haben der Türkei rund 80 Milliarden Dollar geliehen. Vielmehr suchen Türken, die über Devisen verfügen, derzeit verstärkt Anlageobjekte in der Türkei.

Die Lira stürzt ab, immer mehr Türken haben darunter zu leiden.

Eine der ersten Maßnahmen: Die türkischen Zentralbank sagte den Geldinstituten des Landes eine ausreichende Liquiditätsversorgung in der aktuellen Krise zu. "Allen Schritten gegen die Türkei wird wie bisher die notwendige Antwort gegeben werden", teilte das Außenministerium mit.

Die Notmaßnahmen wurden international als Signal gelesen, wie sehr die türkischen Banken bereits unter Druck stehen. Allerdings sind IWF-Hilfen mit Auflagen für die Wirtschaftspolitik verbunden. "Die türkische Zentralbank muss eine kontrollierte Rezession herbeizuführen". Sie hätten mit ihren Berichten oder Kommentaren den Anstieg des Dollars zur Lira gestützt. Dollar an Liquidität zugeführt.

Insgesamt hat die Währung seit Jahresbeginn zum Dollar mehr als 70 Prozent an Wert verloren, zum Euro rund 60 Prozent. Zeitweilig stieg der Dollar um fast 23 Prozent auf 6,80 Lira - der größte Kurssprung seit der schweren türkischen Finanzkrise von 2001. Ausgelöst wurde die Krise vergangene Woche durch den erbitterten Streit zwischen der Türkei und den USA um die Inhaftierung des US-Pastors Andrew Brunson, doch ist dies keineswegs der einzige Grund für das Währungs-Debakel. Außerdem wachse die Besorgnis, dass die Notenbank ihre Unabhängigkeit verliert. In mehreren Reden sprach er von Kampagnen gegen die Türkei und griff die USA erneut heftig an. Sollte sich die Lira nicht bald erholen und die Bevölkerung weiter unter den Sanktionen leiden, wird die Krise zu Erdogans politischem Überlebenskampf.

Ähnlich hatte sich bereits Erdogan zuvor geäussert. Auch für deutsche Unternehmen in dem Land kann der Lira-Verfall zum Problem werden. Menschen, die in den sozialen Medien die schlechte Lage der Wirtschaft negativ kommentieren oder "Spekulationen" verbreiteten, müssten mit Konsequenzen rechnen, die bis zu 5 Jahren Gefängnis reichen können. Die Währungshüter könnten mit Zinserhöhungen versuchen, die Lira zu stützen und die Inflation zu bremsen. In der Nacht waren die drastischen Strafzölle auf türkische Metallimporte in die USA in Kraft getreten, die US-Präsident Donald Trump am Freitag per Twitter angekündigt hatte. Erdogan drohte daraufhin mit einer wirtschaftlichen und politischen Abkehr vom Westen und kündigt eine stärkere Hinwendung zu Russland, China und der Ukraine an. Die Notenbank hätte den Leitzins schon längst anheben müssen, doch offenbar will Erdogan beweisen, dass sich die Türkei gegen die Finanzmärkte behaupten kann. Sollte die US-Regierung die Souveränität der Türkei nicht respektieren, "dann könnte unsere Partnerschaft in Gefahr sein", schrieb der Politiker in einem am Freitagabend (Ortszeit) veröffentlichten Gastbeitrag der "New York Times".

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