Anhörung im Konflikt um Trumps Richterkandidaten steht bevor

Sein Schulfreund Mike Judge, der bei der versuchten Vergewaltigung anwesend gewesen sein soll, hatte behauptet, er könne sich an nichts erinnern. In den vergangenen Tagen hielt sich der US-Präsident in der Debatte zurück.

Nachdem sich die Republikaner zu Beginn der Anschuldigungen zunächst in ihren öffentlichen Äußerungen zurückgehalten hatten, sind sie nun vollends im Verteidigungsmodus. Deborah Ramirez sagte dem "New Yorker" vom Sonntag, der Wunschkandidat von US-Präsident Donald Trump für das Oberste Gericht habe während einer Studentenparty an der Elite-Universität Yale in der 80er Jahren sein Geschlechtsteil in ihr Gesicht gedrückt. Er habe keinen Zweifel, dass sich Ford oder ihre "liebevollen Eltern" damals sofort an die Strafverfolgungsbehörden gewandt hätten - falls die so schlimm gewesen sei, wie sie es sage, schrieb Trump.

Tatsächlich gewann Donald Trump 2016 unter weißen Frauen mit 52 Prozent - eine Zahl, die er bei Reden nach der Wahl gelegentlich für alle Frauen angab, obwohl er nur 41 Prozent der Stimmen aller Frauen gewonnen hatte.

"Dr. Ford akzeptiert die Bitte des Komitees, ihre Kenntnisse aus erster Hand über Brett Kavanaughs sexuelles Fehlverhalten vorzulegen", gaben ihre Anwälte in einem Schreinen an das Senatskomitee bekannt. Trump kritisierte auch Fords Forderung nach Ermittlungen der US-Bundespolizei FBI.

Die Vorwürfe gegen Kavanaugh sind für die Demokraten eine Gelegenheit, dessen Nominierung bis nach dem 6. November hinauszuzögern. Sie werden vom Präsidenten vorgeschlagen und der Senat muss sie bestätigen. Doch die Bestätigung Kavanaughs durch den Justizausschuss des Senates steht weiter aus - weil eine Frau schwere Vorwürfe gegen den Juristen erhoben hat. Unter dem Hashtag #WhyIDidntReport solidarisierten sich bislang Zehntausende Frauen und Männer mit der Psychologie-Professorin Christine Blasey Ford, die Kavanaugh eine versuchte Vergewaltigung vor mehr als 30 Jahren vorwirft.

Wie die "New York Times" berichtete, will der Richter den Senatoren als Beweismittel Kalender aus dem Sommer 1982 vorlegen, die beweisen sollen, dass er in der fraglichen Zeit meist nicht in der Stadt war, und keinen Hinweis auf die fragliche Party enthalten. Der Richter bestreitet das vehement. Welche Rolle Kavanaugh bei den Vorgängen genau gespielt haben soll, blieb in der Erklärung unklar. Ursprünglich war der kommende Montag dafür angepeilt.

Außerdem stellte sie mehrere Bedingungen für eine Anhörung, wie US-Medien berichteten. Außerdem müsse ihre Sicherheit gewährleistet sein. Sie kenne ihren Mann seit 17 Jahren, sagte sie, und: "Ich kenne sein Herz".

Die oppositionellen Demokraten forderten nach Bekanntwerden der neuen Vorwürfe eine Aussetzung des Nominierungsverfahrens. Die Anhörung wird am Donnerstag stattfinden. Das 36 Jahre lange Stillschweigen der Frau ist einer der größten Kritikpunkte des Kavanaugh-Lagers. In einer schriftlichen Stellungnahme bezeichnete er die Vorwürfe am Sonntagabend (Ortszeit) als Verleumdung und erklärte: "Dieser angebliche Vorfall vor 35 Jahren hat nicht stattgefunden". Aus Fords Schilderungen geht hingegen hervor, dass eine Anzeige damals offensichtlich nicht erstattet worden war. Die Personalie ist hoch politisch, denn mit der lebenslangen Berufung von Kavanaugh wäre die konservative Mehrheit am Supreme Court voraussichtlich auf Jahrzehnte gesichert. Der Zeitplan für das Votum über die Nominierung des erzkonservativen Juristen für das Oberste Gericht wurde am Dienstag in Washington veröffentlicht.

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