Riesige Mehrheit ist gegen die Zeitumstellung — EU-Abstimmung

Noch Anfang der Woche hatte die Kommission mitgeteilt, die Befragung sei weder repräsentativ noch bindend.

Die EU-Umfrage zur Zeitumstellung bietet den Gegnern Rückenwind. "Sofern es tatsächlich zu einer einvernehmlichen EU-weiten Abschaffung der Zeitumstellung kommen sollte, sehe ich keine konkreten Auswirkungen auf die Wirtschaft im Land", erklärt Sven Müller, Geschäftsführer der Vereinigung der Unternehmensverbände für MV. Mit dem Zusammenschluss zur Europäischen Union wurde dieser Umstand beseitigt: Seit 1998 gibt es unter den EU-Mitgliedsstaaten ein harmonisiertes System. Ökonomen warnen deshalb vor einem Flickenteppich aus unterschiedlichen Zeitzonen in der EU.

Demnach haben sich mehr als 80 Prozent der Umfrageteilnehmer für eine Abschaffung der Zeitumstellung ausgesprochen, von ihnen wollen die meisten die Sommerzeit beibehalten.

Die EU will endlich das Sommer-Winter-Zeit-Wirrwarr abschaffen.

Eines darf man bei alldem nicht vergessen: 4,6 Millionen von mehr als 500 Millionen EU-Bürgern haben an einer unverbindlichen Abstimmung teilgenommen - nicht an einem Plebiszit mit festen Regeln und Mindestteilnehmer-Quoten. Die zuständige EU-Verkehrskommissarin Violeta Bulc sagte am Freitag in Brüssel, die Kommission werde einen entsprechenden Gesetzesvorschlag vorlegen. Dann werde die Kommission über die nächsten Schritte beraten.

Die Umfrage sollte der Entscheidungsfindung dienen, ob die Zeitumstellung abgeschafft wird. Im Vorfeld war bereits betont worden, dass es sich bei der Umfrage nicht um ein Referendum über die Sommerzeit-Winterzeit-Regelung handle. Die Konsultation war in den sozialen Medien viral gegangen, die Beteiligung pulverisierte den bisherigen Rekord von 550.000 Teilnehmern aus dem Jahr 2015. Eine Neuregelung müsste indes EU-weit gelten. An der Aussagekraft dieser Befragung sind Zweifel angebracht, warnt der Dortmunder Statistik-Professor Walter Krämer. Es genügt schon, dass man sich jedes Halbjahr fragt: Muss die Uhr nun vor- oder zurückgestellt werden? Die Kommission kann dagegen kein Veto einlegen, sie hat auch nichts dagegen, hört man. Dann könnte jedes Land für sich entscheiden, ob es dauerhaft die Standardzeit - also Winterzeit - oder die Sommerzeit einführen möchte.

In der deutschen Wirtschaft finden die Pläne Junckers ein positives Echo. Wenn Juncker und die EU-Kommission auf Grundlage dieser Umfrage eine Empfehlung zur Zeitumstellung abgäben, sei dies aus Krämers Sicht fragwürdig.

Der Rückhalt des EU-Parlaments für eine Abschaffung gilt als sicher.

Die Befürworter der Abschaffung sind sich sicher, dass es im EU-Parlament eine Mehrheit dafür gibt. Medienberichten zufolge stammten gut drei Millionen Teilnehmer aus Deutschland. Insgesamt gab rund ein Viertel der Befragten an, schon einmal Beschwerden im Zuge der Zeitumstellung gehabt zu haben.

Ihr Nutzen ist seit langem umstritten, zudem ist der Wechsel von Sommer- und Winterzeit immer gut für Verwirrung. Energieeinsparungen sind damit nicht unbedingt gegeben. Eingeführt wurde sie damals aus wirtschaftlichen Gründen - das Tageslicht sollte besser genutzt und damit Energie gespart werden.

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