Söder tritt in TV-Duell gegen Grünen-Spitzenkandidaten an

Betont gelassen angesichts der katastrophalen Umfragewerte: CSU-Chef Horst Seehofer und der bayerische Ministerpräsident Markus Söder. Hinzu kommt der neue Koalitionsstreit in Berlin - und ein Parteichef, der als Bundesinnenminister unter Dauerfeuer steht.

Der CSU-Parteitag war auch ein Statement im Umgang mit der AfD.

Kommt auch in der CSU jetzt Söders Zeit? Er kennt auch die Tricks, um im Mittelpunkt zu bleiben.

Und wo die Sympathien liegen, das machen die Delegierten mit ihren Händen hörbar: Viel Zwischenapplaus spenden sie für Markus Söder und vier Minuten, stehend, nach seiner Rede. Keiner weiß es. Kanzlerin Angela Merkel jedenfalls betont am Freitag bei einem Besuch in Vilnius: "So wichtig wie die Position des Präsidenten des Bundesverfassungsschutzes auch ist, so klar ist auch, dass die Koalition an der Frage des Präsidenten einer nachgeordneten Behörde nicht zerbrechen wird".

Nützt es oder schadet es, wenn Seehofer sich in Berlin für Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen verkämpft, während die SPD mit Koalitionsbruch droht? Den Wohnungsbau in München, den Streit ums bayerische Familiengeld und die Situation der bayerischen Landwirtschaft. "Ich kann mich nicht im Bundestag hinstellen und wie auf dem Jahrmarkt den Bundespräsidenten abkanzeln", sagte Seehofer.

So groß ist die Not der CSU, dass Generalsekretär Markus Blume sich mit einem Brief an die 140 000 Mitglieder gewandt hat. "Wir wollen, dass Bayern dem Wind von Unsicherheit und Instabilität, der derzeit durch ganz Europa weht, standhält", heißt es im Landtagswahlprogramm "Ja zu Bayern!", das auf dem Parteitag beschlossen werden soll und das der dpa vorliegt.

Es folgte ein deutliches humanitäres Signal von Seehofer.

Ihr Fett bekamen aber natürlich auch die übrigen politischen Mitbewerber ab: Die Grünen etwa, die mit Vorschriften und Verboten agierten, für die Landwirte Feinde seien, so Söder, und für die es typisch sei, dass sie den Diesel verteufelten, "weil sie das Auto generell nicht wollen". CSU-Chef Seehofer lobte seinen Nachfolger für dessen fortschrittliche Politik als bayrischer Ministerpräsident.

Es gehe nun darum um jede Stimme zu kämpfen, sagte Söder schon vor dem Parteitag. Söder sei der richtige Mann, um Bayern weiter voranzubringen. In Bayern setze man auf Grenzpolizei, Ankerzentren und das Landesamt für Asyl.

Die gemeinsame Klage von FDP, Linken und Grünen gegen das bayerische Polizeigesetz nahm Söder zum Anlass für die Feststellung: "Wer so den Beamten in den Rücken fällt, darf nicht in Bayern die größte Verantwortung übernehmen". Die Wahl findet am 14. Oktober statt.

Bei den Christsozialen herrscht einen Monat vor der Landtagswahl Alarmstimmung, weil in den vergangenen Tagen Umfragen die CSU auf einem historischen Tief von um die 35 Prozent verorteten. Er glaube schon, dass manch einer der CSU einen Schubser oder einen kleinen Denkzettel geben wolle.

Das ist wohl genau das, was Söder unter einem Weckruf versteht. Man dürfe sie nicht ignorieren, wegen ihnen aber auch nicht "hyperventilieren". "Aber so viel Denkzettel, dass die ganze Wahl dazu führt, dass dieses Bayern ein ganz anderes wird als vorher".

Ausgabe: