Fall Khashoggi: Erdogan will am Dienstag die "ganze Wahrheit" enthüllen

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte am Sonntag angekündigt, die deutschen Lieferungen nach Saudi-Arabien überprüfen zu wollen.

Riad - Die Führung Saudi-Arabiens weiß nach den Worten ihres Außenministers Adel al-Dschubair derzeit nichts über den Verbleib der Leiche des in ihrem Istanbuler Konsulat getöteten Journalisten Jamal Khashoggi. Weiterhin dringenden Klärungsbedarf sehen etwa Deutschland, Großbritannien und Frankreich.

Mit Blick auf die bisherigen Verlautbarungen sagte Merkel, es liege längst nicht alles "auf dem Tisch". SPD-Chef Andrea Nahles betonte in der "Bild am Sonntag": "Nach einem derart unfassbaren Vorgang gehört das Verhältnis zu Saudi-Arabien grundsätzlich auf den Prüfstand". Bei ihm soll es sich um den Angehörigen eines saudischen Einsatzkommandos handeln. Dass deutsche Waffen im Stellvertreterkrieg zwischen Saudi-Arabien und dem Iran im jemenitischen Bürgerkrieg eingesetzt werden, ist im Grunde genommen ein Tabubruch deutscher Außenpolitik. Demnach rief Mutreb vier Mal Mohammed bin Salmans Büroleiter, Bader al-Asaker, an. Kommentar von Paul-Anton Krüger mehr.

Während Baerbock wie auch Grünen-Fraktionschef Hofreiter den Stopp von Waffenlieferungen fordern, verlangte EU-Haushaltskommissar Günther Oettinger, Deutschland solle weitere Ermittlungen abwarten.

Saudi-Arabien habe zwar eine "Tötung" Khashoggis zugegeben, sagte der CDU-Politiker.

Was das am Ende für Saudi-Arabien bedeutet, kann keiner wissen. Bis zum 30. September erteilte die Regierung Exportgenehmigungen im Wert von 416,4 Millionen Euro.

Dieser soll in einem Gespräch versucht haben, Khashoggi von einer Rückkehr nach Riad (Hauptstadt Saudi-Arabiens) zu überzeugen. Doch es gibt Zweifel an der Version. Dies könnte den saudischen Kronprinzen ermutigt haben, zu glauben, für ihn gebe es überhaupt keine Grenzen mehr, so Röttgen.

Zuvor telefonierte laut Medienberichten der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan mit dem saudischen Kronprinz Mohammed bin Salman. "Wir suchen Gerechtigkeit", sagte Erdoğan. "Das muss mit allen Details erklärt werden". Der kritische Journalist, der im Exil in den USA lebte, war am 2. Oktober in das saudische Konsulat gegangen, um dort Papiere für seine geplante Hochzeit abzuholen.

Ziel sei es gewesen, den Eindruck zu erwecken, als habe Khashoggi das Konsulat wieder verlassen, berichtet der US-Sender CNN, dem das Videomaterial der Überwachungskamera aus türkischen Ermittlerkreisen zugespielt wurde.

Im Zentrum der Ermittlungen stehen 15 Saudis, die nach Istanbul geschickt worden sein sollen, um Khashoggi zu töten, bzw. sein Double zu spielen. Der Darstellung Saudi-Arabiens zufolge kam Khaschoggi bei einem Kampf mit Personen ums Leben, die er in dem Konsulat getroffen habe. "Die Untersuchung läuft noch und 18 saudische Staatsbürger wurden festgenommen", hieß es in der über staatliche Medien verbreiteten Mitteilung. König Salman richtete zudem eine Kommission unter Leitung des Kronprinzen ein, um den Geheimdienst umzubauen und dessen Befugnisse "genau" festzulegen, wie die staatliche saudiarabische Nachrichtenagentur SPA berichtete. Dann folgte Entrüstung über die Erklärung Riads, wonach Khashoggi bei einer Schlägerei getötet worden sei.

Die türkische Verlobte Khashoggis ist derweil unter 24-stündigen Polizeischutz gestellt worden.

Am Montag wurden in Istanbul fünf Zeugen von mehreren Staatsanwälten verhört, laut staatlicher Nachrichtenagentur Anadolu Konsulatsmitarbeiter.

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