FC Bayern München: Pressekonferenz als große Ablenkung - ein Kommentar | Fußball

Mit einer umfassenden Medienschelte und der Androhung von juristischen Konsequenzen haben die Bosse des FC Bayern für Aufsehen gesorgt.

Der eingeforderte Respekt für Fußball-Profis dürfte aber nur für jene des FC Bayern gelten.

Karl-Heinz Rummenigge, Uli Hoeneß und Hasan Salihamidzic haben auf einer Pressekonferenz am Freitag zu einem beispiellosen Rundumschlag gegen Journalisten und Experten ausgeholt. In den kommenden Tagen wird nicht mehr über die sportliche Krise gesprochen, sondern über diese Pressekonferenz. Unter anderem berichtete Rummenigge über Unterlassungserklärungen.

Selbst eingefleischte Fans der Münchner, das legten etliche Kommentare nahe, empfanden so etwas wie Fremdscham, als sich die Führungsriege etliche Berichterstatter zum Teil namentlich vorknöpfte und auch den ehemaligen Angestellen Juan Bernat. "Das gilt für Medien, für Experten und für Experten, die mal bei diesem Klub Fußball gespielt haben", so Rummenigge. Man mache sich "offensichtlich keine Gedanken mehr über Würde und Anstand". Rummenigge sprach von unwahren Fakten (was auch immer das sein soll) und Hoeneß von despektierlicher Kritik und widerlichen Kampagnen. Vor ein paar Wochen hatte Uli Hoeneß die Spielweise von Mesut Özil als "einen Dreck" und ein Foulspiel von Karim Bellarabi als "geisteskrank" bezeichnet. "Damit ist die Frage beantwortet".

Eine ehrliche Debatte über Moral und Würde in der schnell schwankenden Berichterstattung anzustoßen, initiiert vom FC Bayern, wer würde das kritisieren? Thon hatte nach dem 0:3 der deutschen Nationalmannschaft gegen die Niederlande den Bayern-Spielern Mats Hummels und Jérôme Bioateng "Altherrenfußball" vorgehalten. "Aber das ist kein Grund, so mit der Mannschaft, mit den Spielern umzugehen", erklärte Rummenigge.

Auch Rekordnationalspieler Lothar Matthäus äußerte sich gegenüber Bild. Der Ex-Bayern-Kapitän hatte bemängelt, dass Salihamidzic Trainer Niko Kovac zuletzt nicht den Rücken gestärkt hatte. Dazu muss ich was klar stellen. "Wir schätzen seine Arbeit", so Salihamidzic. "Wir müssen uns nicht öffentlich ein Küsschen geben".

"So kann es nicht weitergehen!", sagte anschliessend Uli Hoeness. "Mir ist kein Gesetz bekannt, das uns zum Katzbuckeln vor dem FC Bayern München verpflichtet", so Überall. Das Führungstrio des deutschen Rekordmeisters hat sich am Freitagmittag zu einer bemerkenswerten Pressekonferenz eingefunden und in mehrere Richtungen ausgeteilt. Auf dieser Kritik reagierten die Verantwortlichen ebenfalls harsch. Ende August wechselte der Linksfuß für fünf Millionen Euro zu Paris Saint-Germain. Hoeneß war nachgesagt worden, das Bayern-Training in dieser Woche von seinem Büro aus verfolgt zu haben. In der Champions-League-Partie in Sevilla habe der Spanier "Scheißdreck" gespielt und fast alleine das Ausscheiden verschuldet, sagte Hoeneß.

Die Neueinkäufe aus Fernost freuen sich indes auf die reizvolle Aufgabe in München und zitierten in ihren Schlagzeilen nach dem ersten Training bereits Artikel eins des Münchner Grundgesetzes: "Die Krisenlosigkeit des FC Bayern ist unantastbar".

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