Geschreddertes Banksy-Bild: Anonyme Käuferin will es behalten

So bleibt denn auch unklar, ob Banksy selber anwesend war und den Schredder startete.

Banksys Arbeit als Künstler hat neben den Straßen von London vor allem auch in Museen begonnen.

Ein Bild, das sich vor verblüfften Kunstinteressierten bei einer Auktion halb selbst schreddert: Damit hat der britische Streetart-Künstler Banksy einen medialen Coup gelandet. Mutmaßlich vom Künstler selbst. Nachdem ein Käufer bereit war, über eine Million Euro für das "Mädchen mit Ballon" zu zahlen, schaltete sich ein Schredder im Gemälde ein.

Nach der Versteigerung rutschte das Bild nach unten aus dem Rahmen.

"Der unerwartete Vorfall wurde sofort Kunst-Welt-Folklore", erklärte Sotheby's Direktor für Zeitgenössische Kunst, Alex Branczik. Ob der Käufer dieser Argumentation folgt? "Banksy mag glauben, dass er durch das Zerstören seines Werks den Kapitalisten geschadet hat, die es gekauft haben", sagte der Journalist der Zeitung "Artension".

Banksy ist für seine Abneigung gegenüber einer Kommerzialisierung seiner Kunst bekannt und lehnt beispielsweise Ausstellungen seiner Werke ab. Immer wieder hat er mit politischen und provokanten Aktionen Aufsehen erregt.

Für Aufmerksam sorgte auch eine zweite Nachricht nach dem Banksy-Stunt: Experten schätzten, dass das Kunstwert seinen Wert verdoppeln könnte. In Bethlehem eröffnete er ein Hotel mit dem "hässlichsten Ausblick der Welt". Spätestens als der Künstler eine Zeit lang in Israel und im Gazastreifen verbracht hat und ein ähnliches Motiv an die berühmte Mauer sprühte, die die beiden Regionen voneinander trennt, erlangte er Weltruhm. Erst herrscht Fassungslosigkeit unter den Besuchern und Sotheby's-Mitarbeitern, dann Gelächter, schon werden die Smartphones gezückt, um den historischen Moment festzuhalten: Eine künstlerische Eulenspiegelei ersten Ranges. Den man aber auch als Kommentar auf den Kunstmarkt, dessen Mechanismen und Auswüchse lesen kann. Mittlerweile ist das Video wieder von seiner Seite verschwunden. Doch es ist auch möglich, dass das Auktionshaus darauf hinweisen wird, dass das Schreddern ein "integraler Bestandteil des Kunstwerks" sei und dass das Werk jetzt "wegen des größten Streichs auf dem Kunstmarkt" vielleicht noch wertvoller sei als vorher.

Ein anderer Nutzer hat die Kapitalismuskritik von Banksy für die Hosentasche gebastelt.

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