Merkel: Derzeit keine weiteren Rüstungsexporte nach Saudi-Arabien

Die ganze Wahrheit werde ans Licht kommen. Laut dem Geständnis von Saudi-Arabien starb der Reporter bei einem Streit im Konsulat. Zusätzliche Verwirrung stiftete der Gründer der Riad-nahen "Arabia Foundation", Ali Schihabi, der angab, Khashoggi sei in den Würgegriff genommen worden und dabei erstickt.

Vier der fünf von der Türkei identifizierten Verdächtigen im Fall des verschwundenen saudi-arabischen Journalisten Jamal Khashoggi stammen einem US-Bericht zufolge aus dem direkten Umfeld des saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman.

Trump hatte vor der Bestätigung von Chaschoggis Tod am Freitag nicht ausgeschlossen, dass Sanktionen verhängt werden könnten, auch wenn Saudi-Arabien ein wichtiger Verbündeter sei. Es müsse eine umfassende Untersuchung geben, und die Verantwortlichen für mögliche Verbrechen seien zur Rechenschaft zu ziehen, steht in der Erklärung weiter. Der Regierungsvertreter sagte, es seien intern zunächst falsche Informationen verbreitet worden.

Riads Erklärungsversuche trafen international auf große Skepsis. Die Bundesregierung strebe auch eine internationale Abstimmung im Vorgehen gegen Riad an. Zuvor hatten türkische Ermittler das saudi-arabische Konsulat und die nahe Residenz des Generalkonsuls durchsucht sowie Personal befragt. Die Tat werde "in aller Schärfe" verurteilt, von Saudi-Arabien erwarte die Bundesregierung nun "Transparenz im Hinblick auf die Todesumstände und Hintergründe".

Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel kündigte unterdessen auch an, vorerst keine Waffen mehr an Saudi-Arabien zu liefern. Dies könne "nicht stattfinden in dem Zustand, in dem wir momentan sind", sagte sie.

Ein ranghoher republikanischer US-Senator glaubt, dass der Kronprinz für die Tötung Khashoggis verantwortlich ist. Demnach soll Saudi-Arabien vier Artillerie-Ortungsradarsysteme erhalten haben. US-Präsident Trump macht deutlich, dass er nicht mehr mit guten Nachrichten rechnet. In einer Aussendung zeigte sich am Sonntag zudem das in Wien ansässige König-Abdullah-Zentrum für interreligiösen und interkulturellen Dialog "sehr besorgt".

"Wir haben Aufträge für 450 Milliarden Dollar, davon 110 Milliarden für militärische Ausrüstung und verschiedene Dinge, die von Saudi-Arabien bestellt wurden - 450 Milliarden Dollar, das sind wohl über eine Million Arbeitsplätze".

Der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman in der Londoner Downing Street.

Auf die neuesten Erkenntnisse reagierte Trump verhalten - auch er sieht noch viele offene Fragen.

Das Eingeständnis aus Riad erfolgte kurz nach einem erneuten Telefonat von König Salman mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan.

Nahles sagte, darin enthalten seien vor allem Patrouillenboote, die vor Jahren angefragt und genehmigt worden seien. Die türkischen Behörden weiteten ihre Ermittlungen zunehmend aus. Sie vermuten, dass die Leiche Khashoggis dorthin gebracht wurde. Khashoggi wollte am 2. Oktober im saudischen Konsulat in Istanbul Papiere abholen und wurde seitdem vermisst. Von der Leiche fehlt weiterhin jede Spur. Doch bedrohlich wurde Saudi-Arabien für den groß gewachsenen Mann erst während des Aufstiegs von Mohammed bin Salman zum Thronfolger und mächtigsten Mann im Staat ab 2015.

Im Laufe des Freitags hatte die Türkei den Druck auf Saudi-Arabien weiter erhöht und 15 türkische Angestellte des saudischen Konsulats als Zeugen vorgeladen.

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