Präsidentschaftswahl - "Trump Brasiliens" Bolsonaro gewinnt erste Runde

Umfragen hatten zuletzt für die Stichwahl einen sehr knappen Ausgang vorhergesagt.

Bei der Abstimmung am Sonntag ging es nicht nur um das Präsidentenamt.

Bei der Wahl waren rund 147 Millionen Bewohner des südamerikanischen Landes aufgerufen, einen Nachfolger für den unbeliebten konservativen Staatschef Michel Temer zu wählen. Sein linker Kontrahent Fernando Haddad (55) komme auf 26 Prozent.

Brasilien-Wahl beginnt. Rechtspopulist Favorit - Stichwahl am 28.10. Auf die restlichen acht Kandidaten entfielen zusammen weniger als sechs Prozent. Alle anderen Kandidaten blieben unter 5 Prozent. Fernando Lottenberg, Präsident des jüdischen Dachverbands in Brasilien, ist sich dieses Umstands bewusst - und kündigt an, trotz der Meinungsverschiedenheiten in seiner Gemeinschaft gut mit Bolsonaro zusammenzuarbeiten. Er war 2016 nach der Amtsenthebung von Dilma Rousseff von der Arbeiterpartei ins höchste Staatsamt aufgerückt und hat kaum Rückhalt in der Bevölkerung. Die Inhaftierung von Lula da Silva, dem legendären Ex-Präsidenten, spaltet das Land. Fast religiös ist die Verehrung vieler armer Brasilianer für Ex-Präsident Lula und seine Arbeiterpartei, die sie mit milliardenschweren Sozialprogrammen aus der bittersten Armut geholt haben. Viele linke Wähler fühlen sich von der PT nicht mehr repräsentiert. "Ich werde den Saustall Brasilia ausmisten", versprach der Hauptmann der Reserve. Zudem verteidigt er die frühere Militärdiktatur. Ein Triumph des 63-Jährigen, der sich als Kandidat des Anti-Establishment präsentierte, könnte die Stabilität des Landes und des gesamten Subkontinentes gefährden.

Auch in anderen Städten griffen Bolsonaro-Anhänger Unterstützer von Haddad an, wie brasilianische Medien berichteten.

Die wirtschaftliche Misere dürfte ein Hauptgrund für die Unzufriedenheit der Brasilianer sein. Er konnte rund 12,5 Prozent auf sich vereinen. Nach einer schweren Rezession erholt sich die Wirtschaft nur langsam.

Haddad macht dagegen das schlechte Image seiner linken Arbeiterpartei zu schaffen, die in zahlreiche Korruptionsskandale verwickelt ist. Sowohl Nachwahlbefragungen als auch erste Ergebnisse sahen Bolsonaro am Sonntagabend knapp unter 50 Prozent. In dem 14 Minuten langen Video wetterte er zunächst gegen das elektronische Wahlsystem, das ihm bereits den Sieg in der ersten Runde genommen habe. Das scheint trotz der schwierigen Ausgangslage nicht unmöglich. Klarer Tenor: Falls er nicht gewinnen sollte, war es Wahlbetrug.

Damit ist schon jetzt klar, dass Bolsonaro auf ein Bündnis mit den beiden großen Machtblöcken im Kongress setzen muss: den Agrar-Unternehmern sowie den Evangelikalen, die beinahe die Hälfte der Abgeordneten kontrollieren.

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