Wahlen: Bouffier gegen Schäfer-Gümbel

"Alle reden vom Rechtsruck".

Die Koalitionsbildung könnte in Hessen eine Herausforderung werden.

In neuen Umfragen vor der Hessenwahl verlieren CDU und SPD. Es ist Zeit für eine Ablösung. FDP und Linke taxieren die ZDF-Demoskopen bei jeweils acht, die AfD bei zwölf Prozent.

Nach der Landtagswahl in Bayern und dem Denkzettel für die Regierungsparteien in Berlin müssen CDU und SPD um jede Stimme kämpfen. Erringt eine Partei aber mehr Direktmandate in den 55 Wahlkreisen, als ihr nach dem Zweitstimmenergebnis eigentlich zustehen würden, kommt es zu Überhang- und Ausgleichsmandaten - sprich: Auch für die anderen Parteien ziehen noch weitere Kandidaten in den Landtag ein, bis das Verhältnis wieder einigermaßen stimmt.

Geht auf die Leute zu: Grünen-Spitzenkandidat Tarek Al-Wazir macht Wahlkampf in der Fußgängerzone von Hofheim.

Und CDU, CSU und SPD würde es wohl weiter viel Stabilität im Bund kosten, wenn die Grünen in Hessen an die Macht kämen. Eine Koalition aus SPD und Grüne wird von 47 Prozent als "gut" bewertet und von 39 Prozent als "schlecht" ("egal": 11 Prozent). Bouffier erreicht einen Wert von 1,2, SPD-Landeschef Schäfer-Gümbel von 0,8. Es kam zu Neuwahlen - und Schwarz-Gelb an die Regierung. Zweitens, ein Bündnis von Grünen, SPD und Linken - mit Al-Wazir als Regierungschef, wenn die Grünen stärker als die SPD abschneiden sollten. Dann verfällt die SPD endgültig in Panik, die Gegner einer Großen Koalition bekommen Oberwasser, Andrea Nahles setzt sich, um politisch zu überleben, an die Spitze der Bewegung - oder wird zum Rücktritt gedrängt. Das nächste Politbarometer Extra zu Hessen sendet das ZDF am Donnerstag, 25.10.2018, im "heute journal" und das nächste bundesweite Politbarometer am 19.10.2018. Die beiden Parteivorsitzenden werden die knapp einstündige Sendung an diesem Mittwoch (20.15 Uhr) nutzen, um ihre Positionen bei den Topthemen Bildung, Wohnen sowie bessere Mobilität in Stadt und Land nochmals vor einem breiten Fernsehpublikum zu präsentieren. Bis zur Landtagswahl am 28. Oktober kann sich also noch einiges verändern. Die rot-rot-grüne Idee verfolgt sie weiter - und plädierte erst vor ein paar Monaten in einer von ihr verfassten Streitschrift gegen "alberne und hochmütige Abgrenzungsrituale". Ein linkes Bündnis bezeichnete er als "Katastrophe für Hessen". Dahinter lag die SPD mit 30.7 Prozent und 37 Sitzen. Pessimisten sahen die Partei schon unter der Fünf-Prozent-Hürde. Al-Wazir, in Hessen stellvertretender Ministerpräsident und Wirtschaftsminister, ist einer der Architekten des ungewöhnlichen Bündnisses.

Ein bürgerliches Bündnis mit der CDU "und ein bisschen grüne Beimischung" wäre ihm derzeit am liebsten, sagte der Freidemokrat René Rock auf einer Podiumsdiskussion in Wiesbaden. Sie erwarten durch die neuen Kräfteverhältnisse eine breitere politische Debatte. Sie bräuchte auf dem CDU-Parteitag gar nicht mehr anzutreten. Anfang Dezember will sie sich auf einem Parteitag zur Wiederwahl als Parteivorsitzende stellen.

Vor der Wahl 2008 hatte die SPD eine Zusammenarbeit mit der Linkspartei ausgeschlossen. Und er warnt allgemein vor "den Linken": "Die Linken dürfen in Hessen nicht in irgendeiner Weise an die Regierung kommen". Frühere Feindseligkeiten seien "total abgebaut" worden.

Ausgabe: