Spekulationen über Misstrauensantrag gegen May

Das britische Parlament könne und wolle "eine falsche Wahl zwischen diesem Abkommen und keinem Abkommen nicht akzeptieren". Die Rücktritte und ein angekündigter Misstrauensantrag stürzten Mays Regierung in eine schwere Krise. Dies könnte schon bald gelingen. Am Freitagabend ernannte May mit Stephen Barclay einen EU-Skeptiker zum neuen Brexit-Minister. Das britische Kabinett hatte am Mittwochabend grünes Licht für einen von Theresa May vorangetriebenen Ausstiegsvertrag gegeben. Aber genützt habe es letztlich nichts. Rees-Mogg steht einer Gruppe von rund 80 Brexit-Hardlinern in der Konservativen Fraktion vor. Nach den britischen Parlamentsregeln wird eine Abstimmung dann ausgelöst, wenn mehr als 15 Prozent der Abgeordneten oder 48 Parlamentarier ein Misstrauensvotum fordern. Und das waren nur Briefe von Schreibern, die sich offen zu einem "Wachwechsel" bekannten. Viel Gegenwehr bekam sie dabei von Labor-Party-Chef Jeremy Corbyn: "Das Rücktrittsabkommen und die außenpolitische Erklärung stellen ein großes und schädliches Versagen dar". Dort soll es nach dem Willen von Brüssel auf keinen Fall wieder Kontrollen geben. Und tatsächlich habe es gestern noch in aller Frühe so ausgesehen, als ob sich die positive Stimmung des Vorabends zumindest noch ein paar Stunden konservieren ließe. Sie lehnte eine Antwort auf die Frage ab, ob sie Gove den Posten des Brexit-Ministers angeboten habe. Nun suchten diese Hardliner den Unmut zu nähren, der "ein direktes Resultat ihrer Inkompetenz" sei.

Am Ziel? Die britische Premierministerin Theresa May verlässt ihren Amtssitz in der Downing Street 10. Trotzdem verteidigte May den Deal energisch als das bestmögliche Abkommen für ihr Land.

Uhr - Die Aktienkurse an der Londoner Börse geraten nach den Berichten über ein wahrscheinliches Misstrauensvotum gegen May unter Druck. Danach muss auch das EU-Parlament grünes Licht geben.

Laut Sunday Times haben sich gleich mehrere Gegner des Austritt-Deals, die eine härtere Gangart von May gegenüber Brüssel gefordert hatten, darauf verständigt, vorerst im Amt zu bleiben. Für May wäre ein Rücktritt Goves nur schwer zu verkraften gewesen. Für McVey kehrte die May-Verbündete Amber Rudd ins Kabinett zurück. Gove sprach May am Freitag sein Vertrauen aus, ebenso Handelsminister Liam Fox, ebenfalls ein Euroskeptiker. May sei selbst Verhandlungsführerin ihrer Regierung, sagte Kommissionssprecher Margaritis Schinas in Brüssel.

Neuwahlen oder zweites Brexit-Referendum?

Ein neuer Brexit-Minister ist bislang noch nicht benannt worden. May warnte, ein Nein würde bedeuten, "einen Weg tiefer und schwerwiegender Unsicherheit einzuschlagen".

Wenn May mit ihrem Kurs scheitert, wie geht es dann weiter?

In einer Pressekonferenz, bei der es wenig Gutes mitzuteilen gab, hatte sie trotzig erklärt, sie werde "durchhalten" und für ihre Sache "weiter kämpfen". In London kursieren bereits die Namen möglicher Nachfolger. Und Mays eigene Reihen sind alles andere als geschlossen. Bei der Vorstellung des Abkommens im Parlament schlug May von allen Seiten heftiger Widerstand entgegen.

► Ob sie noch einmal als Überlebende aus den politischen Wirren auf der britischen Insel hervorgeht, ist an diesem Donnerstag aber völlig offen.

Übersteht die Premierministerin den Machtkampf, könnte sie den Austrittsentwurf dem Parlament vorlegen. Was stimmt. Denn als gesichert kann ihr Kabinetts-Friede nicht mal bis in die nächste Woche hinein gelten. May dürfte erhebliche Probleme haben, für den Deal eine Mehrheit im Unterhaus zu finden, das den Vertrag später ratifizieren muss.

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